10 Wanderstiefel im Test

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Wasserdicht, trittfest, stabil und komfortabel:So sollen Wanderstiefel sein. Welche Modelle das wirklich sind, zeigen Labor- und Praxistest.

 Mist! schallt es durch den Wald. Es poltert, scharrt und kracht, während outdoor-Redakteurin Kers­tin Rotard den Steilhang hinab-rutscht — direkt in die schützenden Ar­me der Testcrew, die unter ihr stehend die Rutschpartie stoppt. Rücklings auf Laub und feuchter Erde liegend, streckt sie ihre Schuhe in die Höhe: »Hab mir gleich gedacht, dass die nicht fürs Stei­le taugen! « Das sollten sie aber eigent­lich — genau wie die anderen Schuhe, mit denen die acht Tester unterwegs sind. Schließlich handelt es sich um waschechte Wanderstiefel.

10 Wanderstiefel im Test 01Zehn neue Modelle zwischen 170 und 200 Euro hat outdoor zum Test ge­laden — je für Frauen und Männer. Mit wasserdichter Membran und hohem Schaft sollen sie Mittelgebirgswande­rungen zum Genuss machen — bei je­dem Wetter. Die Schwäbische Alb mit ihren glitschigen Wurzelpfaden, stei­nigen Trails, epischen Forststraßen und rutschigen Steilwegen ist daher das ideale Testrevier. Erst recht an diesem nasskalten Wochenende, das die Redaktion für den zweitägigen Prüfzyklus nutzt, um Gehkomfort, Sta­bilität und Halt der Schuhe im direk­ten Vergleich zu ermitteln.

Einer für alles?

Mit Notizblock, Stift und einem Rucksack voller Wechselschuhe setzt sich die achtköpfige Gruppe oberhalb vom Ort Lenningen in Gang. Ihre Runde führt über einen steilen, laubbedeckten Weg hinauf zum rund 20 Meter hohen Wielandstein, von dort im Bogen erst über Forststraßen, später über schmale, steile Trails ent­lang der Tobelfelsen zurück. outdoor-Testredakteur Frank Wacker gibt ers­te Instruktionen: »Schnürt bitte die Schuhe zehn Minuten nach dem Abmarsch noch einmal richtig fest nach — nur dann können sie ihr volles Potenzial entfalten.«

10 Wanderstiefel im Test 02Laub aufwirbelnd schnauft der bunt besohlte Trupp in Serpentinen auf den Wielandstein zu. Dabei achtet er vor allem auf das wichtigste Testkriteri­um: den Gehkomfort. Um hier zu punkten, müssen Schuhe geschmeidig abrollen, weich aufsetzen und sich nahtlos um die Füße schmiegen — ohne dabei zu drücken oder zu scheu­ern. Letzteres ist natürlich auch eine Frage der Passform, weshalb jeder Tester bereits im Vorfeld nicht passen­de Schuhe aussortiert und den Rest über drei Wochen eingelaufen hat.

Die drei Komfortwunder

Sechs Stunden später hockt das Testteam am Albtrauf und blickt hinunter nach Lenningen. Kalter Wind fegt über die Hochebene. Auf dem Fels sitzend wechseln die acht Wanderer zum x-ten Mal die Schuhe, machen Notizen und schlürfen heißen Tee aus Thermoskannen. »Einen be­quemeren Schuh als den Meindl habe ich in dieser Klasse noch nicht getra­gen!« schwärmt Testerin Sina Choma und erntet damit zustimmendes Ni­cken. Der neue Air Revolution Ultra »… rollt wie von selbst ab, schmei­chelt mit fast plüschigem, aber festem Sitz und ausgewogener Dämpfung«, bringen es die Notizen von Tester Fe­lix Wiedmann auf den Punkt. Nur zwei Testschuhe können es mit dem Bay­ern aufnehmen: der Aku Transalpina und der Salomon Quest 4D.

Doch Komfort ist nicht alles, ein gu­ter Wanderstiefel muss auch Halt bie­ten, vorm Umknicken und Wegrutschen schützen und mit einer festen Sohle für Trittsicherheit sorgen. Um Schaft- und Sohlenperformance zu testen, ist das folgende Wegstück ideal: Es führt fast in Falllinie zum Fuß der bis zu 30 Me­ter hohen Tobelfelsen, anschließend 10 Wanderstiefel im Test 03traversiert es im Steilhang unter der rund 300 Meter langen Felskette.

Reibungsverluste

Kurz darauf liegt Redakteurin Rotard mit verdutztem Gesicht und erdver­schmierter Hose im Steilhang, hinter ihr eine verräterische Schleifspur. Das Corpus Delicti — die Verbera Hiker von The North Face — hat sie bereits aus­gezogen. Sie schlägt die Schuhe gegen­einander, Erdklumpen fliegen durch die Luft. »Die Sohle verwindet schnell, ist viel zu weich, der Schaft gibt kei­nen Halt«, steht jetzt in ihrem Notiz­buch. Diese Eindrücke haben auch die anderen Tester gesammelt — aber auf harmlosere Weise. Am besten in punc­to Halt schneidet der Lowa Khumbu II ab, auch der Meindl Air Revolution Ul­tra heimst hier viele Punkte ein.

Die Backen glühen, der Tee dampft: Das Testteam sitzt zusammen und zieht Bilanz. Jetzt liegen auch die Ergebnis­se aus dem Labor vor, das die Schuhe flankierend zum Praxistest untersucht: mit einem Schwitzfuß aus Metall und einer monströsen, laut klappernden Ma­schine. Der Schwitzfuß ermittelt, wie viel Dampf die Schuhe nach außen lei­ten, die Maschine, welche Schuhe wasserdicht sind (s. li.). Während der Schwitzfuß nur gute bis sehr gute Wer­te ausspuckt, schlägt die Höllenmaschi­ne bei einem Paar Alarm: Die Rugged Trail Texapore von Jack Wolfskin sind undicht — etwas, das sich schon auf Tour abzeichnete. Um sicherzugehen, prüf­ten wir drei weitere Paar unter Praxis­bedingungen. Sie sind alle undicht.

Fazit: für jeden etwas

Acht der zehn Paar Wanderstiefel bestehen den outdoor-Test und eig­nen sich zumindest gut zum Wandern. Sie tragen sich komfortabel, bieten Grip und halten die Füße trocken. Besonders gefallen hat outdoor der Meindl Air Re­volution Ultra. Er besitzt von allen Test­schuhen den breitesten Einsatzbereich, brilliert auf Forstwegen wie Trampelpfa­den mit top Gehkomfort und sorgt bei Ausflügen ins Steile für Trittsicherheit.

Weniger Offroad-tauglich, aber eben­falls sehr bequem zeigen sich Salomon Quest 4D und Aku Transalpina — die idealen Begleiter für Touren abseits von Steilrinnen und Fels. Wer Letztere hin­gegen bevorzugt aufsucht, sollte den Sa-lewa Alp Trainer Mid anprobieren — mit ihm an den Füßen hätte Testerin Rotard die Steilrinne ohne Stunt bewältigt.

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