Hardshell Jacken im Test – zwölf Jacken mit preiswerten Membranen

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Müssen es immer 400 oder gar 500 Euro für eine Hardshell-Jacke sein? Wir haben zwölf Jacken mit preiswerten Membranen in Labor und Praxis getestet – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Gute, funktionelle Hardshells sind sündhaft teuer! Nein, nicht unbedingt. Es gibt preiswerte Alternativen. Dass es aber nicht immer ganz einfach ist mit Jacken aus günstigen Membranen, zeigt der vorliegende Test.

Was können preiswerte Membranen? Was sind Eigenmembranen? Ist es das, als was die Hersteller es uns verkaufen? Das Ergebnis eigener Entwicklungsarbeit? Mitnichten. Denn kein Hersteller von Berg­sportbekleidung hat das Know-how und die Technik dazu, eigene Membranen zu entwickeln und herzustellen.

Die sogenannten Eigenmembra­nen (Venturi, Powertex & Co) kommen von Herstellern, die ihre Produkte (Membranen) auf dem Markt anbieten und nicht darauf bestehen, dass ihr Mar­kenname genannt wird.

Das Feld der Eigenmembranen hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Früher gab es als Markennamen im Membran­bereich Gore Tex und Sympatex. Inzwischen sind es deutlich mehr Anbieter, die auf ihren Markenna­men bestehen. Da sind Dermizax und eVent, DryQ elite und Neo Shell von Polartec, um nur einige zu nennen. Was im Umkehr­schluss heißt, dass sich hinter den Eigenmembranen unbekann­te Hersteller verbergen.

Hardshell-Jacken01Aber was können diese Membra­nen? Schließlich sind Jacken mit Eigenmembranen fast immer um (einige) hundert Euro billiger als solche mit Markenmembranen. Auf den ersten Blick sahen unse­re Testjackén genauso aus wie ihre teuren Pendants. Doch schon beim ersten Anziehen beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn einige Hersteller setzen das Konzept „preiswerte Alternative” konsequent um, wasdann auch heißt, dass an Schnitt und Ausstattungsdetails gespart wurde.

Doch nicht immer lassen sich die Eigenarten so schnell und einfach erkennen. Sind Schnitt und Aus­stattung okay, muss man auf die inneren Werte schauen. Und späte­stens hier wird es für den Endver­braucher schwierig. Denn im Geschäft lässt sich nur schwer ermitteln, wie gut der Wasser­dampfdurchgang einer Jacke ist und ob das gute Stück auch was­serdicht ist. Und genau da liegt die Crux bei dieser Produktkategorie. Wir haben beim Test der Marken­membranen vor weniger als einem Jahr (ALPIN 08/2012) den RET-Wert, der eine Größe für den Wasserdampfdurchgang ist, im Bekleidungsphysiologischen Insti­tut in Hohenstein testen lassen.
Die Werte lagen damals zwischen 2,37 (Gore Tex Performance Shell) und 6,35 (Gore Tex Pro Shell). Dabei gilt: Je niedriger der Wert, desto besser der Wasser­dampfdurchgang. Werte unter drei gelten als überragend, Werte zwi­schen drei und sechs als sehr gut. Somit lagen fast alle Jacken zumindest im Bereich von sehr gut.

Um eine echte Vergleichbarkeit herstellen zu können, haben wir uns den einige tausend Euro teuren Test auch diesmal bei den Eigenmembranen gegönnt. Mit teilweise überraschenden Ergeb­nissen. Den besten Wert erreichte Schöffel mit der Venturi Membran (3,74, sehr gut), den schlechtes­ten Wert musste Mountain Hard-wear einstecken. Die Jacke bzw. das Material erreicht einen RET-Wert von 35,83. Werte über 20 gelten bereits als ungenügend. Und auch ein anderer namhafter Hersteller, Patagonia mit H2No, lag mit einem Wert von 21,04 noch im Bereich ungenügend. Die Streubreite der markenlosen Membranen bzw. der Eigen­membranen ist also um Hardshell-Jacken03ein Vielfaches größer als bei Markenprodukten. Was in der Konse­quenz heißt, dass es für den Endverbraucher sehr schwer ist zu beurteilen, was sich hinter den Produktnamen der Hersteller verbirgt. Denn natürlich werben die Hersteller auch bei diesen Produkten mit ausgezeichneter Wassersäule, toller Atmungsakti­vität und uneingeschränktem Tra­gekomfort. Leider steckt aber gerade das nicht immer hinter den Produkten. Ohne das objek­tive Urteil eines unabhängigen Fachmanns ist es also fast unmöglich zu beurteilen, was sich hinter den Produktnamen an Qualität verbirgt. Dazu kommt ein anderes Problem: Hinter dem Namen Powertex (oder allen anderen Eigennamen) kann sich im Jahr 2013 die Membran des Herstellers A verbergen, im Jahr 2014 aber die Membran des Herstellers B. Wenn also ihr Tourenpartner von der Jacke schwärmt und Sie sich dieses Modell ein Jahr später ebenfalls zulegen, können die Unter­schiede sehr groß sein.

Trotz all dieser Unwägbarkeiten sind bei dem vorliegenden Test einige tolle Produkte dabei und einige, mit einem top Preis-Leis­tungs-Verhältnis. Unser Testsie­ger ist die Norröna Falketind Jacke mit der dri3 Membran. Ein fast noch sehr guter Wasser­dampfdurchgang, gepaart mit einem sehr guten Schnitt und einer top Verarbeitung, konnte überzeugen. Interessanterweise ist die Norröna eine der teu­ersten Jacken im Test

(329 Euro). Aber teuer heißt nicht gleich gut. Tatonka konnte mit der Twain (Preis: 300 Euro) nicht überzeugen. Dagegen bie­ten die Simond Alpinism Light (149 Euro), die Schöffel Easy (169 Euro) oder die Berghaus Vinson 201Shell (auch 169 Euro) ein sehr gutes Verhältnis von Preis und Leistung. Die billigste Jacke im Test aber konnte nicht überzeugen. Die Mountain Hard-wear Plasmic kostet nur 120 Euro, ist aber vom Schnitt her einfach und hat vor allem mit einem RET-Wert von über 35 eine Membran, durch die nicht viel durchgeht — zumindest nicht von innen nach außen.

FAZIT

Wie gut sind Jacken mit Eigenmembranen? Es gibt tolle Produkte und solche, die ihr Geld eher nicht wert sind. lm vorliegenden Test hat uns die Norröna Falketind dri3 am besten gefallen — Testsieger, wenngleich sie mit 329 Euro nicht ganz bil­lig ist. Die Vaude Crestone bekommt unseren Gewichtstipp. Sie ist die leichteste Jacke im Test, hat gute Werte und ist für ihr Ge­wicht relativ robust. Der Preistipp geht an Simond, denn für 149 Euro ist die Alpinism Light ein gutes Teil. Und den Allround-Tipp konn­te sich die 2-Lagen-Jacke Schöffel Easy sichern. Eine schöne Wanderjacke zu einem fairen Preis.

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