8 Eispickel im Test

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Auch wenn man ihn nicht immer braucht – bei anspruchs­volleren Skitouren und einfachen Gletschertouren gehört ein Pickel zur Standardausrüstung. Hier erfahren Sie, welcher Pickel für Ihren Zweck der richtige ist.

Welcher Picket ist der geeignete?

Skitour. Für steiles Firngelände oder Kombi-grate im Winter reicht ein Ultraleichtpickel mit Alukopf und evtl. abgestumpfter Zahnung aus. Der Pickel sollte gerade und circa 60 cm lang sein sowie eine Handschlaufe besitzen. Die Haue ist leicht gekrümmt.

Gletscher: Haue und Spitze sollten für even­tuelle Eispassagen scharf sein, der Schaft kann für besseren Zug so gekrümmt sein, dass er sich noch leicht einrammen, zum Gehen benutzen und eingraben lässt. Gehpickel sind bis 80 cm lang.

eispickel im test 01Leichtpickel haben zwei Grundfunk­tionen: sie dienen als Gehhilfe und zur Sicherung. Winters wie sommers eignen sie sich für Firntouren aller Art mit steilen Flanken, flachen Gletschern oder kombinierten Kraxeleien im Gipfelbereich. In ihrer Sicherungsfunktion dienen Pickel als Fixpunkte, die eingegraben (T-Anker bei Spaltensturz oder Standsicherung) oder provisorisch mit der Spitze eingerammt wer­den, sowie als Bremse bei einem Sturz am Firnhang. In der Gehfunktion stützt man sich auf den Kopf des Pickels oder bei Steil­flanken auf Haue und Spitze. Ein Eispickel besteht aus einem Schaft zum Greifen, einer Spitze zum Gehen oder Einrammen und dem Kopf aus Haue zum Einschlagen und Schaufel zum Graben (oder als Bremse bei weicherem Firn).

Material und Gewicht

Trotz Aluminiumschaft (Black Diamond mit Stahlhaue nur 415 g) und teils sogar gehärteter Aluhaue (Camp fantastische 210 g, Kong 350 g mit Handschlaufe bei 60 cm Länge) erfüllen Leichtpickel die Normanforderun­gen zur Bruchlast in Basis-Kategorie B (siehe Kasten S. 94). Außerhalb des reinen Eis- oder Mixedkletterns und von Eistouren mit Zu­satzanforderungen an die Haue (Kategorie T) gibt es somit keinen Grund, Pickel mit Stahlschaft zu verwenden, die mehr als 500 Gramm wiegen (Austrialpin 530 g).

Haue und Schaufel

Pickel mit Alukopf sind allenfalls für kur­ze Passagen, aber nicht zum Eisklettern geeignet, da die Aluhaue dicker ist, schnell abstumpft und wegen des leichten Kopfs weniger Schlagwucht entwickelt. Camp und Petzl besitzen Gummischutzkappen für die Haue. Die Alu- oder Stahlhauen einiger reiner Firnpickel sind flach gezahnt (Salewa und Black Diamond), obwohl eine ausgeprägte Zahnung bei aufgeweichtem oder oberfläch­lichem Firn sinnvoller ist. Bei Petzl kann man sich wegen abgestumpfter Haue und Spitze kaum verletzen, aber das Gerät ist nicht bei Eis einsetzbar. Die Haue sollte nur schwach gekrümmt sein; eine stärkere Krümmung wäre lästig beim Vergraben und Bremsen. Die Schaufel sollte breiter und scharf genug sein, damit man mit ihr Stufen oder eine Plattform in Firn und notfalls Eis schlagen kann und sie bei Sturz in weicheren Schnee statt der Haue greifen kann.

eispickel im test 02Ein schwerer Kopf aus Stahl und ein austa­riertes Gewichtsverhältnis zwischen Haue und Schaufel ermöglichen kraftsparendes Einschlagen. Austrialpin war mit einer Mu­miniumschaufel (wie Edelrid mit Schaft­krümmung) »hauenlastig«, Kong und Camp mit Aluköpfen waren dafür zu leicht. Die­se eignen sich besser für Firn. Egal ob Firn oder Eis — in jedem Fall sehr gut war die Balance bei Petzl, Stubai sowie Black Diamond (alle mit Stahlkopf).

Schaft: Form und Längen

Der Schaft sollte gerade oder nur wenig ge­krümmt sein, um den Pickel besser vergra­ben oder besser mit ihm gehen zu können. In dieser Kaufberatung hat nur Edelrid mit seinem oben stark gekrümmten Schaft und gut gezahnter Aluhaue einen extremeren Anspruch. Auf längeren Passagen stumpft sie aber schnell ab. Die Schaftlängen betragen 50 bis 75 cm (Black Diamond 6 Längen). 50 cm sind für steiles Gelände ideal, 60 cm ein guter Kompromiss und 75 cm für den Geh­pickel auf sommerlicher Gletschertour. Kong und Salewa haben am unteren Schaftende ei­ne Reibungszone. Damit lässt sich der Pickel beim Einschlagen auch ohne Schlaufe mit Handschuhen relativ sicher greifen.

Handschlaufe, ja oder nein

Eine Handschlaufe wiegt ab 30 Gramm, was bei Ultraleichtpickeln rund zehn Prozent Zusatzgewicht bedeutet. Obwohl viele Leichtpickel deshalb oder für eine flexible­re Handhabung auch ohne Handschlaufe verkauft werden, ist diese doch eine gute Sicherung gegen Verlust und erleichtert im Falle einer Steilpassage den Griff am gera­den, glatten Schaft. Hier hängt es letztlich vom Innenhand-Material des Handschuhs ab, ob die Geräte sich einigermaßen sicher am Schaft greifen lassen oder verrutschen. Der klassische Pickel besitzt eine simpel anpassbare Handschlaufe, die sich mittels Kunststoffring am Schaft verschieben lässt (bei Petzl und Camp begrenzbar). Am Kopf befestigte, schaftlange Handschlaufen ver­bessern den Haueneinsatz und behindern das Einrammen nicht, sind aber beim Ge­hen keine Hilfe. Sie sind nur bei Edelrid optimal anpassbar (Längenverstellung + Einhand-Handzug).

Alle vorgestellten Pickel ließen sich prob­lemlos handhaben. Modelle ohne Hand­schlaufe wurden generell abgewertet, da man den Pickel verlieren kann und

wegen des glatten geraden Schafts kein si­cherer Griff beim Einschlagen möglich ist. Allerdings gibt es solche Leichtpickel meist auch mit Handschlaufe. Reibungsbeschich­tete (Kong und Salewa), aber auch eloxierte/ lackierte Schäfte boten einen besseren Griff als pulverlackierte (v. a. Black Diamond).

Spitze für Firn oder Eis

Die Spitzen von Schnee- und Firnpickeln für den primären Wintereinsatz bestehen aus einem schräg abgeschnittenen Schaft. Dies spart Gewicht (und Kosten), ist ausreichend für die Gehfunktion, lässt die Spitze aber nicht in Eis eindringen. Die extra angesetz­ten Spitzen der klassischen Gletscherpickel mit primärem Sommereinsatz halten auch im Eis, was bei zunehmender Vereisung auch in relativ flachen Gletscherpassagen wichtig ist. Allerdings muss die Spitze dann auch scharf sein (Austrialpin, Camp und Edelrid). Der Vorteil weniger scharfer Spitzen ist die geringere Verletzungs- bzw. Schädi­gungsgefahr (genial bei Black Diamond).

Bei Aufstiegen und Querungen lassen sich Leichtpickel mit der Spitze als Gehstütze verwenden. Kurze Pickel (Salewa und Edelrid) sind hier nur an Steilhängen brauchbar, dafür aber — wie auch Kurzversionen anderer Pickel — ideal zum Abstützen mit Haue und Spitze an Firnflanken. Ideale Gehpickel sind Austrialpin (auch auf Blankeis; lange Versi­onen), Petzl (top in weicherem Firn/Schnee) und Stubai (bei Stützen auf der Haue).

Mit dem Picket auf Tour

. Beim Aufsteigen sollte man den Kopf so greifen, dass die Schaufel nach vorne zeigt (außer Kong). Dadurch stößt die Spitze optimal in den Schnee und falls man ausrutscht, ist der Pickel ohne Umgreifen bremsbereit.

. Ohne Handschuhe ist es bequemer, sich auf der Schaufel abzustützen – die Haue schaut in diesem Fall nach vorn. Zumindest beim Abstieg ist dies sogar sicherer.

eispickel im test 05. Im Gegensatz zum Eisklettern lassen sich alle Elemente des Basis-Pickels separat einsetzen: die Spitze zum sicheren Gehen, der Schaft als Fixpunkt im Firn, der Kopf zum provisorischen Slchern und Abstützen, die Haue zum Einschlagen an steilen Hän­gen und zur Selbstrettung, die Schaufel zum Ausschlagen eines Platzes zum Sitzen

. Kürzere Pickel lassen sich in besonders steilen Passagen und im kombinierten Ge­lände von verschneiten Gipfelgraten besser verwenden.

»T« sticht »B«

Die Normen EN 13089 und UIAA 152 schreiben für Eispickel und Eisgeräte wegen unterschiedlicher Anforderungen zwei Prüfungskategorien vor (für die Be­standteile Schaft, Übergang Schaft-Kopf und Kopf, speziell Haue).

. Kategorie »B« (Basisgeräte)

Hierunter fallen Eispickel für moderaten Einsatz wie Gletscherbegehungen oder Skibergsteigen, Verwendung für Gehhilfe, T-Anker, Stufenschlagen etc. Diese Geräte weisen niedrigere Festigkeitswerte des Schaftes auf, und die Hauen werden keiner Torsionsprüfung unterzogen.

. Kategorie »T« (Technikgeräte)

Eisgeräte für extremen Einsatz, also fürs Eisklettern und Drytooling, weisen höhere Festigkeitswerte des Schaftes auf, und die Hauen werden einer speziellen Festigkeits­prüfung unterzogen: Bei Flachhauen wird die »Torsionswechselfestigkeit« geprüft, bei Halbrundhauen (Halbrohrhauen) die ««Biegeschwellfestigkeit«.

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