12 Zustiegsschuhe im Test

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FELSZUBRINGER

Noch vor nicht allzu langer Zeit galt für das Schuhwerk in den Bergen die eiserne Regel: Stiefel oder Stiefel. So ein Stiefel, dachten sich  die langhaarigen Freikletterrebellen in den 8oer-Jahren, als sie das junge Sportklettern auf die hohen Wände der Alpen übertrugen. Denn wie sollten sie am Limit klettern, wenn allein das schwere lederne Schuhwerk im Rucksack ihre Schultern nach unten drückte? Ihre provokative – von den Altvorderen und rotbesockten Wanderern gleichermaßen mit heftigem Stirnrunzeln bedachte – Lösung der Zustiegsschuhproblematik: Joggingschuhe. Fraglos sind Joggingschuhe alles andere als ideal, um Fuß, Gelenk und Bändern über Stock, Stein und Schnee genügend Halt und Schutz zu bieten, und ihre Sohlen auch beileibe nicht für Klettereinlagen oder das Queren von Schneefeldern gedacht. Um ein Biwak zu vermeiden, wurde ein Bänderriss aber billigend in Kauf genommen.

SITZT UND HAT LUFT

Die Zeiten ändern sich, und abgesehen von Gletschern, Eis und kombinierten Wänden sind die alpinen Stiefelfetischisten rar geworden. Das Spektrum der am Berg anzutreffenden schaftlosen Modelle dafür umso größer: von Approach Shoes, Klettersteig- und Multifunktionsschuhen bis zu Trailrunning Tretern – also für gröberen Untergrund ausgelegte Joggingschuhe…

Ob man bei der Wahl des Zustiegsschuhs nun mehr Wert auf Komfort, Leichtigkeit, Unterstützung des Sprunggelenks, sicheren Halt oder Kletterperformance legt, ist Geschmackssache. Fakt ist, dass es bei Zustiegsschuhen die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt – und wohl auch nie geben wird. Was durch die unterschiedlichen Anforderungen bedingt ist. Wer bei langen Abstiegen keine Zehenqualen leiden will, sollte seinen Schuh so groß wählen, dass vorne ein bisschen Luft ist und man mit den Zehen auch bergab keinesfalls anstößt. Das bedeutet aber auch, dass man bergauf bei Klettereinlagen mit abgeknicktem Zehengelenk noch mehr Luft hat – und dementsprechend keinen optimalen Druck auf die Spitze bringt.

Deshalb kommt der Passform und der Schnürung eine entscheidende Bedeutung zu. Das Modell sollte dem Fuß seitlich festen Halt bieten, die Schnürung so selektiv zu regulieren sein, dass man beim Klettern den Vorderfuß möglichst gut fixieren und beim Bergabgehen ein Nachvornrutschen verhindern kann, ohne dabei die Blutzirkulation im Fuß völlig abzudrosseln. Eine leichtgängige Schnellschnürung ist zwar komfortabler zu bedienen, der Schuh lässt sich in aller Regel aber nicht so gut für den jeweiligen Bedarf fixieren. Hinten sollte der Schuh so konturiert sein, dass die eigene solide Ferse lide sitzt  und beim Bergaufgehen nicht hochrutscht, denn dann sind Blasen vorprogrammiert. Um den Schuh an die unterschiedlichen Situationen anzupassen, bestückt Salewa den Firetail mit einer doppelten Einlegesohle. Die ist zwar ideal, um den Schuh an die Höhe des eigenen Spanns anzupassen, eine wesentliche Auswirkung auf die Kletterperformance konnten wir aber nicht feststellen.

LEISTUNGSTRÄGER UNTERSCHICHT

Sehr unterschiedlichen Ansprüchen hat auch die Sohlenkonstruktion zu genügen. Einmal soll sie vor allem an der Ferse viel Dämpfung bieten, damit bergab die Knie geschont werden und Kopfschmerzen ausbleiben. Auch sollte sie die Abrollbewegung über den Vorderfuß unterstützen, damit man bergauf nicht alles kraftaufwendig über ein abgeknicktes Zehengelenk stemmen muss. Eine gewisse Seitenstabilität ist ebenfalls nützlich, um die Bänder beim Verhindern eines seitlichen Wegknickens zu unterstützen.

Ähnlich vielfältige Anforderungen werden an das Profil gestellt. An der Spitze und der Innenseite des Vorderfußes sorgt Idealerweise eine gar nicht oder nur sehr flach profilierte „Climbing Zone“ für möglichst viel Auflagefläche und damit Reibung bei Klettereinlagen. Dahinter sollte die Profilierung deutlich tiefer und so ausgerichtet sein, dass ein Abrutschen nach hinten, beispielsweise bei Zustiegen in nassem Schrofengelände, verhindert wird. Das tiefste und möglichst aggressiv nach vorn ausgerichtete Profil ist an der Ferse gefragt, damit der Abstieg auch auf schlammigen Wegen nicht zur Rutschpartie wird. Eine deutliche Absatzkante ist hilfreich, komplett flache Sohlen, womöglich komplett mit Noppen, schneiden hier schlecht ab. A propos nass und schlammig: Bei Modellen mit synthetischem Obermaterial macht eine Membran durchaus Sinn. Denn wer will sich schon nach einem morgendlichen Zustieg über taufeuchte Wiesen vollgesaugte, schwere Schuhe an den Gurt hängen. Bei wasserabweisend vorbehandelten Ledermodellen reicht dagegen ein regelmäßiges Nachimprägnieren in aller Regel aus.

 

 

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