9 Daunenschlafsäcke im Test

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NACHTWÄCHTER

Den seinen gibt’s der Herr im Schlaf – diesen Bibelvers sollten  nicht nur passionierte Langschläfer beherzigen. Denn Schlafen entspannt, lädt die körpereigenen Batterien auf und macht milde Outdoorer munter. Voraussetzung für die nächtliche Frischzellen-kur: ein guter Schlafsack. Er zählt zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen. Doch den richtigen zu finden, ist nicht einfach – zu widersprüchlich sind die Anforderungen: Der Schlafsack muss vor Kälte schützen, darf sich in lauen Sommernächten aber auch nicht in einen Schwitzkasten verwandeln. Außerdem soll er leicht und klein verpackbar sein, weil man ihn tagsüber im Rucksack trägt.

»Am besten schaffen diesen Spagat so genannte Dreijahreszeiten-Schlafsäcke«, sagt outdoor-Redakteur Boris Gnielka. Neun dieser Modelle im Preisbereich von 145 bis 630 Euro hat outdoor getestet. Sechs sind mit Daune gefüllt, drei mit Kunstfasern. Im Schnitt wiegen sie nur knapp über ein Kilo und lassen sich laut Hersteller bis durchschnittlich minus drei Grad einsetzen – genug für frostige Frühjahrs- und Herbstnächte. Weil die langjährige Testerfahrung zeigt, dass diese Herstellerangaben aber nur sehr grobe Anhaltspunkte liefern, ermittelt das outdoor-Labor in einem aufwendigen Prüfverfahren genauere Werte, bis zu welchen Tiefsttemperaturen Schlafsäcke wirklich eingesetzt werden können.

KALT ERWISCHT: WO GEHT WÄRME VERLOREN?

In einem ersten Schritt misst das Labor die Isolation der Füllung. Hier geben sich die neun Testkandidaten keine Blöße und liefern für diesen Einsatzbereich gute bis sehr gute Werte. Doch das ist erst die halbe Miete, denn auch die Konstruktion des Schlafsacks spielt eine große Rolle bei der Wärmeleistung. »Die Konstruktion überprüfen wir mit Hilfe einer Wärmebildkamera«, verrät Gnielka und deutet auf einen handflächengroßen, bunt leuchtenden Monitor: die Wärmebildaufnahme eines der neun Testmodelle. Der Schlafsack liegt in einer minus fünf Grad kalten Klimakammer, in seinem Innern steckt ein beheizter Dummy. Gelbe und rote Stellen zeigen: Hier entweicht Wärme aus dem Schlafsack, dagegen sprechen bläuliche Flächen für eine gute Isolation.

DIE BESTEN TESTKANDITATEN TROTZEN EISESKÄLTE

Klassische Schwachpunkte sind dünne Reißverschlussabdeckleisten oder umerfüllte Kammern, in denen die Daune bei Bewegung verrutscht. Auch Kapuzen, die ums Gesicht herum nicht sauber abschließen, schmälern die Wärmeleistung, weil die warme Luft aus dem Schlafsackströmt – so wie bei einem gekippten Fenster. Doch die Wärmebildkamera bringt auch gut gemachte Details ans Licht, etwa die stark isolierende Kapuze des Fjord von Lestra.

Anhand der Isolationsmessungen und des Wärmebildchecks erstellt outdoor die minimale Einsatztemperatur. »Um dem unterschiedlichen Kälteempfinden gerecht zu werden, geben wir zwei Werte an«, erklärt Experte Gnielka. Die obere Angabe (Komfortwert) gilt für alle, die schnell frieren.; das Limit für wenig verfrorene Personen. Im Schnitt kann man das Feld bis minus vier Grad einsetzen. – ein sehr gutes Ergebnis. Die wärmsten Modelle packen sogar noch vier bis sechs Grad mehr – genug für richtig frostige Nächte.

Die wahre Leistungsfähigkeit zeigt sich aber erst, wenn man die Wärmeleistung in Relation zum Gewicht setzt. Hier haben die Daunenschlafsäcke die Nase vorn: Sie sind durchschnittlich fast sechs Grad wärmer als die Synthetikmodelle – und trotzdem über 30 Prozent leichter. Bestwerte liefert der Yeti Passion. Kein Wunder, schließlich kommen ultraleichte Gewebe zum Einsatz und hochwertigste Daune. Sie isoliert bei gleichem Gewicht besser als jede andere Füllung. Die wichtigste Kennzahl für die Daunenqualität ist die Cuin-Angabe. Sie beschreibt, wie viel Volumen eine Unze (28,35 Gramm.) Daune einnimmt. Je höher der Wert, desto besser. Bei Spitzenqualitäten liegt er bei über 800 cuin – »Ob 800, 840 oder 850 cuin ist aber nebensächlich«, meint Boris Gnielka. Der Vorsprung der Daunenmodelle fällt jedoch nicht mehr ganz so deutlich aus wie früher – das zeigt der Marmot Cloudbreak: Ein Limit von minus fünf Grad sind für ein 1345 Gramm wiegendes Synthetikmodell top.

Auch in puncto Kuschelfaktor haben Kunstfasern mächtig aufgeholt – so die Erkenntnis nach dem mehrmonatigen Praxistest. » Der Marmot fühlt sich fast so weich an wie ein Daunenschlafsack«, lobt Testerin Sina Choma. Am anschmiegsamsten sind allerdings die Daunenmodelle von Lestra und Mountain Equipment mit ihren weichen Stoffen. Außerdem sitzen ihre Kapuzen bequem, den Wärmekragen im Lestra Fjord spürt man kaum. Doch auch der Rest des Felds bekommt gute bis sehr gute Komfortnoten.

GESCHMACKSSACHE: KÖRPERBETONT ODER GERÄUMIG

Beim. Schlafsackschnitt scheiden sich die Geister: »Ich mag eher körperbetonte Schlafsäcke wie den Mountain Equipment – da gibt es weniger kalte Lufträume«, sagt Tester Johannes Butscher. Außerdem wiegen. diese Modelleim. Verhältnis weniger als geräumige und haben ein kleineres Packmaß. Trotz dieser Vorteile kann es Tester Felix Wiedmann fast nicht weit genug sein: »Nachts brauche ich Platz, um die Beine und Arme zu bewegen – ich bin doch keine Sardine«, so der Komfortschläfer. Seine Favoriten: die Modelle von Yeti und Carinthia. Des Weiteren verhindert ein etwas geräumigerer Schlafsack, dass Ellenbogen, Knie oder das Gesäß von innen die Füllung zusammendrücken. Das reduziert die Wärmeleistung spürbar.

Dolch welche Modelle eignen sich für wen? Zählen geringes Gewicht und Packmaß, entscheiden Sie sich für eines dieser drei Daunenmodelle: etwa den verhältnismäßig günstigen. Helium von Mountain Equipment. Soll es noch wärmer sein, kommen vor allem die Modelle von Yeti und Lestra in Frage. Während der Yeti durch sein sensationelles Wärme-Gewichts-Verhältnis punktet, ist der Lestra aufgrund des kräftigeren Zippers robuster. Beide kosten ein kleines Vermögen (450 bis 630 Euro), halten aber auch ewig. Alle drei muss man allerdings jeden Morgen mindestens 30 bis 60 Minuten lüften, sonst verliert die Daune ihre Isolationsfähigkeit.

Wem das zu lästig ist oder wer in feuchtkalten Gegenden Touren macht, greift besser zu einem dieser Kunstfaserschlafsäcke: dem günstigen Carinthia Lite 850 (ab 145 Euro) oder dem sehr leistungsfähigen Marmot Cloudbreak. Gute Nacht!

 

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