10 Zelte im Test

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ZIMMER MIT AUSSICHT

Rauschende Blätter im Wind, ein gurgelnder Bachlauf und buntes Vogelgezwitscher kitzeln Franziska langsam aus dem Schlaf. Ihr erster bewusster Atemzug des Tages: frische, kühle, nach Blumen duftende Luft flutet ihre Nasenflügel. Franziska öffnet die Augen und blickt auf eine sonnig-gelbe Zelthaut. Sie windet langsam ihre Arme aus dem Schlafsack, öffnet noch im Liegen den Zelteingang – und bekommt eine Gänsehaut: Warmes Sonnenlicht streichelt die frischgrüne Wiese, die sich vor ihrem Zelt wie ein endloser, welliger Teppich bis zum Horizont erstreckt. Dicke Tautropfen hängen an den Gräsern, aus jedem funkelt Franziska eine kleine Sonne an. Eine kühle Brise streicht über ihre Haut. Sie holt tief Luft – wie frisch der Morgen doch schmecken kann! Und wie klar jetzt die Aussicht ist! Franziska hisst den Blick über die glitzernde Wiese schweifen bis auf die andere Talseite, wo sich die Zinnen in den wolkenlosen Himmel recken. Gut, dass sie sich aufgerafft hat, endlich mal mit Zelt auf Tour zu gehen! Auf’ der Wunschliste stand das schon lange, doch immer wieder hat sie es verschoben: Was, wenn sie das Zelt nicht aufbauen kann? Wenn nachts ein Platzregen niedergeht? Oder ein Sturm alles niederreißt?

DIE UNGEFILTERTE WAHRHEIT

Keine Frage: Zelten birgt Unwägbarkeiten – doch die sind zumindest in Europa eher positiver Art: Nur auf Zelttour erlebt man die Natur ungefiltert, sieht die Sonne unter- und aufgehen, den Mond seine Bahn ziehen und tausend Sterne funkeln. Man riecht den Morgen, bevor es hell wird, sieht Rehe, Füchse, Hasen, hört Bussarde kreischen, Kauze pfeifen, Amseln trällern oder Spechte hämmern. Und das kostenlos – ob in Deutschland, den Alpen oder Skandinavien. Alles, was man dafür braucht, sind Unternehmungslust, eine Matte, Schlafsack (s. S. 115) und – ein Zelt.

Eines, das nicht gleich beim ersten Windhauch umfällt, im Regen zur Badewanne wird oder bei Flaute zu einer stickigen Kondenswasserhöhle mutiert. Besonders teuer muss es gar nicht sein, das zeigen nicht nur vergangene Tests von outdoor das beweist auch der aktuelle Vergleich, in dem die Redaktion zehn neue Trekkingzelte auf Herz und Nieren geprüft hat. Alle Modelle besitzen ein Gewicht von im Schnitt drei Kilogramm und sollen zwei Personen bequem Unterschlupf bieten. So weit die Gemeinsamkeiten. Weniger Eintracht herrscht beim Verkaufspreis: Er liegt zwischen 360 und stolzen 900 Euro, das Gros der Zelte kostet um 500 Euro. Auch in der Zeltform zeigt sich das Testfeld uneinig: Kuppel- und Tunnelzelte teilen sich das Feld fast paritätisch, nur geodätische Zelte sind nicht vertreten für Trekkingtouren ist diese bei Expeditionen gehr beliebte Zeltform oft zu schwer. Während Kuppelzelte zur Not auch ohne Heringe stehen bleiben und eine hohe Eigenstabilität aufiveisen, russ man Tunnelzelte sehr sorgfältig abspannen – auch bei wenig Wind. Dafür wiegen sie bei wenig z~ ein Platzangebot oft deutlich weniger.

Doch sagt die Form erst einmal wenig über die Leistungsfähigkeit eines Zeltes aus. Um sie zu prüfen, nehmen die Tester der outdoor-Redaktion al1e zehn Zelte vier Wochen lang in die Mangel., wiegen sie mit einer Digitalwaage, messen mit einem Soutertester die Wasserdichtigkeit der Bodenwannen, bauen sie auf, kartografieren   mit einem Laser-Entfernungsmesser die Apsiden die Innenräume, leben, kochen, essen und schlafen in ihnen. Schließlich stürmt eine 500-PS starke Windmaschine alle Zelte von zwei verschienen Seiten bis zum bitteren Ende an. Kein outdoor-Test ist aufwendiger, zu Recht, denn ein Zelt muss viele Anforderungen erfüllen, um in der Natur zu bestehen – und im outdoor-Test ein gutes Urteil zu ergattern.

Zunächst muss sich ein gutes Zelt einfach auf-und abbauen lassen – auch unter erschwerten Bedingungen, wie etwa im Wind. Am besten geht das mit den Modellen Jack Wolfskin Sanctuary 2 RT und Robens Goshawk. Auch die meisten anderen Tunnelzelte im Testfeld lassen sich flott binnen zwei bis drei Minuten aufbauen, vor allem solche Modelle, bei denen sich die Heringsschlaufen in der Länge verstellen lassen. Das erleichtert es, selbst in steinigem Boden sichere Ankerplätze für die Heringe zu finden. Etwas mehr Geduld braucht man für die Kuppelzelte – mit Ausnahme des Hilleberg Rogen, das ebenfalls verlängerbare Heringsschlaufen besitzt und schon mit zwei Bodennägeln sicher steht. Doch mit der richtigen Technik bekommt man jedes der Testzelte problemlos und zügig aufgestellt und abgespannt – Voraussetzung für zuverlässigen Schutz vor Wind und Wolkenbruch.

Wie gut die Testmodelle vor Wetterkapriolen schützen, müssen sie in Dänemark unter Beweis stellen. Dort schüttet es wie bestellt in Strömen, für den Sturm sorgt aber nicht das – Tiefdruckgebiet, sondern die meterhohe Windmaschine. Mit ihr erzeugen die Testei einen langsam aber steig anschwellenden Luftstrom, der bei Vollgas mit Über 160 Stundenkilometern auf die Prüflinge eindrischt – abwechselnd von zwei Seiten. Bei diesem Orkan bleibt kein Zelt mehr stehen, muss es auch gar nicht. Für ein gutes Abschneiden reichen 70 km/h völlig aus, für ein sehr gutes sollten schon 100 Sachen drin sein. Zum Vergleich: Bei dieser Geschwindigkeit fliegen erste Dachziegel von den Häusern. brechen Äste und wird ein aufrechter Gang unmöglich. Dennoch bewältigen die meisten Testzelte die Windprüfung und bleiben bis 70 km/h locker stehen. Fjällrkiven Akka Dome 2 und Robens Goshawk schneiden am besten ab -sie bleiben bis 100 Sachen stramm stehen und gehen erst bei 120 zu Boden. Auch das Marmot Nusku 2P und das The North Face Westwind gehören zu den sturmtauglichen Testkandidaten. Schlusslicht vor der Windmaschine ist das Exped Mira II, das bereits bei 65 km/h einbricht.

DÄNISCHEN LANDREGEN

Drei Tage lang trommelt das Nordmeertief auf die Zelte ein. Erfolglos: Bis auf minimale Saugeffeffekte beim Exped Mira 11 halten alle Modelle dicht. Bei den Bodenwannen sieht es genauso aus – das zeigt die Laborprüfung mit dem Soutertester. Nur beim Helsport Fjellheimen Superlight muss man nachhelfen und die unversiegelte Bodennaht vor der ersten Tour abkleben.

Fast genauso wichtig wie der Wetterschutz ist der Wohnkomfort eines Zeltes. Und der beschränkt sich nicht allein auf das Raumanebot im Innern. Will man sich richtig Wohlfühlen, müssen auch die Vorräume (Apsiden) so groß sein, dass Rucksack, nasse Klamotten und Schuhe nebst Campingkirche darin Platz finden. Ideal sind Zelte mit zwei Apsiden: So hat jeder seine eigene. Außerdem kann das Zelt dann bei Hitzestau auf Durchzug gestellt und bei Sturm leichter betreten werden – ein Eingang liegt immer im Windschatten. Weitere Komfortmerkmale sind ein helles Innenzelt, weite, hohe Eingänge und von innen schließbare Lüfterhutzen. Als wahrer Wellnesstempel entpuppt sich vor allen anderen das Marmot Nusku 2P. In seinem hellgelben, geräumigen und hohen Innenzelt fühlten sich die Tester am wohlsten, doch auch Fjällräven Akka Dome 2, Hilleberg Rogen, Robens Goshawk und The North Face Westwind sammeln viele Wohlfühlpunkte.

FÜR JEDEN DAS RICHTIGE

Obwohl sich die Zelte stark unterscheiden, bestehen alle den harten outdoor – Prüfmarathon wenn auch nicht gleich gut. Erfreulich ist aber, dass selbst ein sehr gutes Zelt nicht viel kosten muss. Teuer wird es nur für den, der ein ausgesprochenes Leichtgewicht sucht. Hier empfiehlt sich vor allem das Koppelzelt Hilleberg Rogen für 780 Euro. Es wiegt nur rund zwei Kilo, bietet genügend Platz, zwei Apsiden und lässt sich kinderleicht aufbauen. Wind und Regen hält das Rogen ab, ist sogar halbwegs sturmfest – lässt sich aber auch nicht komplett winddicht abschotten, so dass es schon bei frischen Brisen spürbar durchs Innenzelt weht. In lauen Nächten ist das angenehm, bei Kälte aber ungemütlich, womit sich das Rogen als Spezialist für Sommereinsätze outet.

Sie wollen ein vielseitiges Zelt? Eines, das Sie in den regenverhangenen Weiten Skandinaviens genauso ruhig schlafen lässt wie in einem alpenländischen Gewittersturm oder beim Wintereinbruch im deutschen Mittelgebirge? Dann schauen Sie sich mal Fjällräven Akka Dome 2 und Marmot Nusku 2P an. Die beiden Koppelzelte kosten je 550 Euro, bieten sehr hohen Wetterschutz und ausgezeichneten Wohnkomfort: mit zwei Apsiden, gut dosierbarer, effektiver Belüftung und einfachstem Handling. Auch ihr Gewicht liegt mit 3,4 und 3,2 Kilogramm noch im grünen Bereich. Etwas leichter, günstiger und fast genauso wetterfest zeigt sich das Westwind von The North Face. Zwar bietet der Tunnel nur eine Apsis, doch lässt sich diese von zwei Seiten öffnen, und innen hat es dafür reichlich Platz. Mit 2,9 Kilogramm eignet sich das Westwind gut für Bergtouren, macht aber auch im Mittelgebirge sowie Skandinavien Spaß – und kostet erträgliche 450 Euro.

Es geht aber noch günstiger: Das Robens Goshawk kostet 400 Euro – und spielt in puncto Wohnkomfort und Wetterschutz in der Topliga. Kein Zelt bietet so viel Apsisplatz wie der RobensTunnel, kein anderes lässt sich leichter aufbauen und keines steht besser im Sturm: Erst bei brüllenden 120 Stundenkilometern geht das Goshawk zu Boden – bleibt dabei sogar unversehrt! Mit 3,3 Kilogramm ist es zudem leicht genug, um auch wirklich gerne mit auf Tour genommen zu werden. Wohin? Das liegt ganz bei Ihnen!

 

 

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