9 Rucksäcke im Test

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ALLER LASTEN ANFANG

Verbringt man auf Mehrtagestouren etwas Zeit damit, die Ausrüstung anderer Outdoorer unter die Lupe zu nehmen, stellt man fest: Gute Wanderstiefel und eine vernünftige Funktionsjacke gehören zur Standardausstattung. Mit dem Rucksack nehmen es die meisten dagegen nicht so genau. Manche Modelle haben schon fast so viele Jahre auf dem Buckel wie ihre Besitzer und zerren mit ihren schmalen Trägern an den Schultern, das urbelüftete Rückenpolster klebt am nass geschwitzten Rücken, einen Hüftgurt gibt es nicht. Andere stolpern gebeugt von der Last ihrer schrankgroßen Trekkingrucksäcke durch die Landschaft -und verpassen einiges entlang des Wegs, weil sie verbissen weiterkämpfen, um rechtzeitig die Hütte zu erreichen. Wieder andere starten mit hoffnungslos überladenen Tagesrucksäcken, an denen jede Menge Ausrüstung außen herumbaumelt. Dadurch schwanken die Daypacks bei jedem Schritt wie ein Schiff im Sturm und bringen ihren Träger aus dein Tritt. Kein Wunder, dass viele Wanderer über Nackenschmerzen oder Scheuerstellen klagen.

BEQUEME BEGLEITER? DAS TESTFELD IM PRAXISEINSATZ

Dabei müsste es gar nicht so weit kommen: Dank ständiger Weiterentwicklungen tragen sich moderne Tourenrucksäcke traumhaft komfortabel, so die Erkenntnis des aktuellen outdoor-Tests von neun Modellen zwischen 130 und 200 Euro. Mit einem Volumen von 42 bis 54 Liter bieten die neun deutlich mehr Platz als klassische Wanderrucksäcke, ihre aufwendigen Tragesysteme mit stabilen Hüftgurten kommen auch mit Lasten um die 15 Kilo noch klar – was in vergangenen outdoor-Tests nicht immer der Fall war. So viel Gewicht kommt aber zusammen, wenn man mehrere Tage von Hütte zu Hütte wandert, für die gesamte Familie Lastesel spielt oder mit leichtem Gepäck übers Wochenende mit dem Zelt loszieht.

Außerdem haben die Testkandidaten im Vergleich zu früheren Tests abgespeckt. Sie wiegen im Schnitt nur 1,6 Kilo – und sind damit rund 35 Prozent leichter als die noch größeren Trekkingrucksäcke. Das leichteste Modell im Feld, der Funas von Fjällräven, bringt sogar nur 1320 Gramm auf die Waage. Auch lassen die neun durch ihre weniger steifen Tragesysteme und kleineren Packsäcke mehr Bewegungsfreiheit als ihre großen Brüder. Alles in allem spart das Kraft, und man kommt entspannter ans Ziel.

Trotzt der insgesamt sehr überzeugenden Leistung des Testfelds hat jeder der neun Kandidaten mehr oder weniger ausgeprägte Stärken – das zeigt der mehrtägige Praxistest im Donautal. Rund um Stetten am Kalten Markt herrschen ideale Bedingungen: Auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb wechseln schmale, verwurzelte und steinige Pfade mit Forst- oder Waldwegen, auf denen man mit weitem Schritt schnell vorankommt – trotz der 15 Kilo Beladung, die in jedem der Rucksäcke stecken. Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka gibt dem Testteam Instruktionen für den ersten Check: »Achtet darauf, ob euer Rucksack bei zügiger Gangart Bewegungen mitmacht oder einengt.« Am besten schlagen sich in diesem Punkt die Modelle von Bach, Vaude und Osprey, die insgesamt die flexibelsten Tragesysteme bieten. Der Rest des Felds folgt mit etwas Abstand, ohne jedoch negativ aufzufallen.

MIT ENTSCHEIDEND FÜR EINE TOP LEISTUNG: DIE PASSFORM

Unterhalb der über 120 Meter hohen Schaufelsen, der höchsten Felsen Deutschlands außerhalb der Alpen, muss das Team steile Hänge queren. Hier zählt vor allem eine gute Lastkontrolle, sonst verliert man in dieser kniffeligen Passage schnell das Gleichgewicht: »Sitzt wie festgeklebt am Rücken«, ist sich die Testcrew beim Osprey Kestrel einig. Doch auch die anderen acht Modelle schneiden kaum schlechter ab. Unten im Tal tauscht die Testcrew zum wiederholten Mal die Rucksäcke. Bei jedem Wechsel überprüfen die outdoor-Redakteure, ob der Rucksack, optimal sitzt – nur dann lässt sich das Trageverhalten beurteilen. Manchmal lässt sich oft noch etwas herausholen, indem man die Alustrebe(n) im Rücken exakt an den Träger anpasst.

Außerdem muss der Rucksack perfekt gepackt sein: Schwere Ausrüstung wie beispielsweise Trinkblase, Essen oder Waschbeutel kommt vom Bodenfach bis auf Höhe der Schulterblätter möglichst nah an die Rückenplatte; mit den leichteren Sachen (Schlafach, Isomatte, Ersatzbekleidung, Handtuch etc.) stopft man das Volumen davor aus. Zum Schluss zieht der Lademeister die Komessionsriemen an, um die Beladung endgültig zu stabilisieren. Nun schmiegt sich der Rucksack so komfortabel wie eine zweite Haut an den Rücken, »jetzt wackelt und drückt nichts mehr«, wie outdoor-Internetredakteur Ralf Bücheler sagt.

LUFTIKUS ODER SCHITZKASTEN? DER VENTILATIONS-CHECK

Erbarmungslos brennt die Sonne vom Himmel, und schon nach kürzester Zeit bemängelt Texterin Sina Choraa beim Modell von Gregory die schwache Belüftung. Die anderen Gregory-Träger stimmen ihr zu und präsentieren ihre klitschnassen Rücken. Dass es besser geht, beweist beispielsweise der Bach Shield 45. Seine recht luftigen Polster liegen nur auf einem je fünf Zentimeter breiten Streifen rechts und links der Wirbelsäule an, dazwischen sorgt ein Kanal für Luftzirkulation. Ansonsten liegt die Ventilation im Feld auf einem ordentlichen Niveau – selbst wenn es mal wieder steil bergauf in Richtung Albhochfläche geht.

ERFREULICH: DER HOHE TRAGEKOMFORT

Unterm Strich gibt es für den Tragekomfort viel Lob: Jedes der neun Testmodelle trägt sich sehr angenehm, vorausgesetzt, es sitzt richtig. Passt es nicht zur Statur, können die Gurte oder die Rückenplatte unangenehm drücken. Weniger entscheidend ist die Ausstattung der Rucksäcke mit Taschen oder Fächern. Im Testteam zeichnet sich aber eine klare Tendenz ab: Während die Bergsteiger eher schlichte Rucksäcke mögen wie etwa von Vaude oder Deuter, bevorzugen die meisten Wanderer die üppiger ausgestatteten Modelle.

»Mit keinem Modell im Testfeld macht man einen Fehler – sofern der Rucksack passt«, fasst Redakteur Gnielka die Ergebnisse zusammen. Deshalb sollten Sie den Rucksack erst kaufen, wenn Sie ihn mit Beladung ausprobiert haben. Auch spielt der Einsatzbereich eine wichtige Rolle bei der Wahl des richtigen Modells. Wenn Hochtouren mit längeren Gletscherpassagen auf dem Plan stehen, entscheidet man sich am besten für die Kandidaten von Vaude oder Deuter. Wander Sie dagegen vor allem von Hütte zu Hütte oder nehmen übers Wochenende auch mal ein leichtes Zelt mit, sind der Bach Shield oder der Osprey Kestrel ideal. Der minimalistische Funas von Fjällräven empfiehlt sich für alle, die einen sehr leichten Tourenpartner suchen.

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