13 Speed – Hiking -Schuhe im Test

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Endlich gibt es einen neuen Trend in unserer an Trends so armen Zeit: Speed-Hiking! Zwar sind wir auch vorher schon gelegentlich in schnellem Tempo bergauf und bergab gestiegen, haben zum Überholen langsamerer Zeitgenossen Gas gegeben und sind aus lauter Spaß an der Freud‘ auch mal ein Stück gelaufen. Doch wussten wir damals noch nicht, dass wir damit das langsame Hiking hinter uns gelassen hatten und stattdessen Speed-Hiking betrieben, dass wir also quasi die Sportart gewechselt hatten.

Heute hat diese Art zu gehen/laufen also einen Namen und einen Platz, wo sie sich zwischen die anderen Arten des Gehens/Laufens in freier Natur einordnen darf: Speed-Hiking ist laut der Österreichischen Speed-Hiking-Organisation so definiert, dass es eine höhere Bewegungsintensität hat als Hiking (herkömmliches Wandern) und Nordic Walking, aber eine geringere als Trail-Running. Das bedeutet konkret, dass man dieselbe Strecke, die man bisher gemütlich gewandert ist, nun in deutlich kürzerer Zeit zurücklegt. Eine Tour auf den Ötscher, beispielsweise, für die man bislang einen ganzen Sonntag veranschlagt hat, kann man mit der neuen Schnelligkeit des Wandeins am Vormittag schaffen und hat nachmittags noch Zeit, den Garten umzugraben oder den Rasen  zu mähen.

Man kann die viele gewonnene Zeit aber auch nützen, um mehr Strecke zu machen. Vorbildlich in dieser Hinsicht war der amerikanische Speed-Hiker Mattkiew Hazley, der die 1 drei Weitwanderwege Pacific Crest (4240 km), Continental Divide (5000 km) und Appalachian (3500 km) di- rekt nacheinander in 239 Tagen absol- vierte. Er verbrauchte 13 Paar Schuhe!

SPEED-HIKING-SCHUHE

Die richtigen Schuhe für diesen Trend müssen – wie die Ausrüstung insgesamt – leicht sein, damit man im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwert über alle Berge laufen kann. Sie sollen sich leicht abrollen lassen und eine griffige Sohle haben. Weiters griffig sich die Gelenke über ein ge- wisses Maß an Dämpfur und die Haut über eine hohe Wasserdampf-Durc Lässigkeit („Atmungsaktivität“). Und wenn Speed- Hiking nicht nur auf planierten auch in unebenem Gelände stattfindet, müssen die Schuhe zudem die Füße stabilisieren. Gute Speed-Hiking Schuhe vereinen also Eigenschaften von Laufschuhen, Wanderschuhen und Zustiegsschuhen in sich.

FESTIGKEIT

Obwohl Speed-Hiking-Schuhe ein klar umrissenes Segment des Outdoor- Sports bedienen, gibt es sie in einer großen Bandbreite, denn Speed-Niken kann man auf Forststraßen und leich- ten Trails ebenso wie im alpinen Ge- ände. Im ersten Fall darf der Schuh relativ weich sein, denn auf ebenen Wegen steht eine gute Dämpfung im Vordergrund. Im Gebirge hingegen ist man mit einem festeren Schuh sicher besser beraten, denn dieser bietet eine höhere Trittsicherheit. Ausschlaggebend ist hier die Torsionssteifigkeit, also jener Widerstand, den der Schuh einem Verdrehen um seine Längsachse entgegensetzt. Auf steinigem und felsigem Untergrund hält ein steifer Schuh den Fuß stabiler; man muss weniger Kraft aufwenden, um ein Umknicken zu verhindern. Die Torsionssteifigkeit kann man schon im Geschäft feststellen, indem man den Schuh an Spitze und Ferse greift und die Hände gegeneinander verdreht. Oder man zieht ihn an und tritt seitlich auf eine Treppenstufe. Dann spürt man, wie stark Sohle und Obermaterial unter der Belastung nachgeben und wie gut sie den Fuß in Position halten.

Die weicheren Schuhe sind meist auch die leichteren und bequemeren. Zu diesen gehören die hier vorgestellten Schuhe von Garmont, Lowa, Mammut, Meindl, Nike, Salomon und Scarpa. Etwas fester erschienen uns in der Praxis die Schuhe von Salewa, Lackner und Hanwag, während die Schuhe von Adidas, The North Face und besonders La Sportiva die stabilste Gruppe bilden und für den alpinen Einsatz geeignet sind.

SCHAFT

Die Modelle dieser Übersicht sind – bis auf den Boulder X Mid von La Sportiva – Halbschuhe beziehungsweise so genannte Low-Cuts. Viele von ihnen gibt es aber auch in der Mid-Cut-Version, also mit einem mittelhohen Schaft, so wie ihn der Boulder X Mid hat, der wiederum auch als Low-Cut erhältlich ist.

Welcher Schafthöhe man den Vorzug gibt, hängt vom Einsatzgebiet, von der eigenen Kraft und Kondition, vom Körpergewicht, aber auch von der persönlichen Vorliebe ab. Je alpiner das Gelände, in dem man unterwegs ist, je geringer das eigene Können und je höher das Körpergewicht, umso eher sollte man zu einem MidCut greifen, denn der höhere Schaft hilft, den Fuß zu stabilisieren und damit Kraft zu sparen. Dies gilt natürlich auch, wenn man gerne längere Touren geht und dabei gegen Ende sicher etwas müde wird. Den Komfort eines Low-Cuts hingegen kann man sich auf gut befestigten Wegen gönnen, für kürzere Touren, auf denen Ermüdung kaum eine Rolle spielt, oder wenn Hiking-Stöcke einen Beitrag zur Stabilität leisten.

HAFTUNG

Das Profil eines Schuhs muss, um gut haften zu können, ein Gegenstück zu dem Untergrund sein, auf dem er haften soll. Auf Forststraßen und Waldwegen braucht der Schuh also harte Stollen, die sich in den relativ weichen Boden graben können. Auf felsigem Grund hingegen greift ein Profil aus weichen, großflächigen Noppen besser. Grundsätzlich gilt: Je höher der Positiv-Anteil einer Laufsohle, also die herausstehenden Anteile, umso geeigneter ist sie für harte Böden; je höher der Negativ-Anteil, umso mehr Halt bietet sie auf weichem und losem Untergrund und umso weniger leicht kann sich Gatsch zwischen den Stollen festsetzen und die Haftung beeinträchtigen.

Die Schuh-Hersteller versuchen in der Regel, Universalisten zu produzieren, was sich in mehrkomponentigen Sohlen niederschlägt. So sind verschiedene Teile des Profils für unterschiedliche Aufgaben zuständig. Daher haften die Schuhe darin sowohl auf weichen, als auch auf harten Böden, und können mitunter sogar noch mehr: Der Gorgon GTX von Lowa beispielsweise hat zusätzlich Stollen gegen Überpronation und Supination. Der Escape Pro GTX von Garmont ist mit Wintereinsätzen ausgestattet. Die Schuhe von The North Face, Salewa, Scarpa und La Sportiva bieten im Bereich der Zehenspitzen eine so genannte Climbing-Zone, mit der sie besonders gut auf Fels haften, was diese Schuhe besonders für alpines Gelände geeignet macht. Wer in hügeligem Gelände unterwegs ist und daher auch längere Strecken bergab bewältigt, der sollte darauf achten, ob der Absatz genügend ausgeprägt ist. Ein stark ausgeprägter Absatz gräbt sich besser in den weichen Untergrund und verhindert so ein Rutschen.

ABROLLEN

Neben dem Haften sollte ein Speed-Hiking-Schuh aber natürlich auch gut abrollen; er sollte die Vorwärtsbewegung des Hikers unterstützen. Hier sind Sohlen von Vorteil, die im Zehen-und Fersenbereich aufgebogen sind. Diese erleichtern das Abrollen und verhindern zudem, dass das Obermaterial geknickt wird, was über längere Zeit zu Druckstellen fuhren kann. Im Fersenbereich am stärksten gebogen ist der Teerex Fast X GTX von Adidas. Die Fersenpartien der Schuhe von Lowa, Meindl und The North Face sind seitlich abgeschrägt; ob dies der eigenen Bein-Geometrie entgegenkommt, muss man ausprobieren. Das interessanteste Abroll-Verhalten hat der Gorgon GTX von Lowa gezeigt: Dieser Schuh strebt stark nach vorne, er zwingt einen beinahe zum Laufen. Ein langsames Gehen ist seine Sache nicht. Aber auch der Boulder X Mid Gore-Tex von La Sportiva rollt sehr gut ab.

SCHUTZ

Weiche Sohlen bergen die Gefahr, dass man jeden Stein durchspürt, was bei längerem Laufen immer lästiger und sogar schmerzhaft werden kann. Um dein vorzubeugen, haben The North Face und Meindl eine Schutzschicht aus hartem Kunststoff über die ganze Sohle gezogen, Adidas beschränkt sie auf den vorderen Bereich des Schuhs. Wie sehr die Sohle eines Schuhs Unebenheiten, insbesondere spitze Gegenstände durchspüren lässt, sollte man unbedingt schon im Geschäft ausprobieren.

DÄMPFUNG

Beim Laufen im Sinne von Joggen wird jeder Fuß mit dem zwei- bis dreifachen Körpergewicht belastet. Für das Speed-Hiking sind uns zwar keine Zahlen bekannt, aber man kann si- cherlich gut das doppelte Körpergewicht annehmen. Um dieses Gewicht bei jedem Schritt abzufedern, hat der Körper natürliche Dämpfungsmecha- nismen: Die Pronation, das heißt eine Einwärtsdrehung des Fußes, und die automatisch angewinkelten Knie. Die- se natürliche Dämpfung hat sich auf dem Steppenboden entwickelt, auf dem unsere Vorfahren über viele hunderttausend Jahre barfuß gelaufen sind.

Die Schuhindustrie versucht heute, dem Rechnung zu tragen und mit in die Schuhe eingebauten Dämpfung nur die Härte-Unterschiede der verschiedenen Böden auszugleichen, auf denen wir unterwegs sind. „Viel hilft viel“ gilt in Sachen Dämpfung nicht mehr. Die starke Dämpfung, die in den 70er und 80er Jahren en vogue war, verursachte mehr Verletzungen statt weniger. Für gesunde Füße reicht eine mäßige Dämpfung. Etwas mehr Dämpfung ist nur für Untrainierte, Übergewichtige und Leute mit Verletzungen des Bewegungsapparates sinnvoll – am besten, man holt sich hier den Rat eines Fachmanns/einer Fachfrau.

Als Materialien für die Dämpfung kommen in erster Linie EVA (Ethylen- vinylacetat) – ein thermoplatischer Kunststoff – und PU (Polyurethan) – ein duroplastischer Kunststoff – zum Einsatz. Während beim Thermoplast die Molekühlketten in mehr oder weniger wirren Knäueln aneinander haften, besteht bei Duroplasten zwischen den Ketten eine chemische Verbindung. Daher rührt die längere Haltbarkeit des PUs. EVA hingegen ist in der Herstellung leichter handhabbar und daher billiger. Wie stark ein Schuh dämpft, kann freilich nicht absolut festgestellt werden. Es kommt darauf an, wie viel der Träger wiegt und auf welchem Unter- grund er läuft. Darum gilt es, beim Schuhkauf kritisch auf die Dämpfung zu achten und sich nicht von einem super bequemen, weil überdämpften Schuh „einlullen“ zu lassen.

OBERMATERIAL

Das Obermaterial eines Schuhs muss mit der Sohle eine Einheit bilden. Eine recht steife Sohle harmonisiert beispielsweise nicht mit einem weichen Schaft. Hier fehlt es an Kraftübertragung von der Schnürung zur Sohle, so dass der Druck hauptsächlich auf dem Rist lastet.

Die Hersteller der Speed-Hiking-Schuhe verwenden überwiegend Mesh, also ein Maschengewebe als Obermaterial, das recht weich ist. Daher brauchen diese Schuhe auch eine eher leichte, nachgiebige Sohle und Idealerweise auch noch eine solide Verbindung der Schnürleiste zur Sohle, wie sie die meisten der hier vorgestellten Schuhe haben. Oft wird Mesh zudem mit Leder- oder Kunststoff-Aufsätzen kombiniert, um die Stabilität und den Abriebschutz zu erhöhen. Der Vitamin von Scarpa und der Boulder X Mid Gore-Tex von La Sportiva sind hingegen reine Lederschuhe. Scarpa verwendet Velour-Leder, La Sportiva das hochwertigere Sämisch-Leder. Der Vorteil von Leder generell ist seine Zähigkeit und Haltbarkeit bei gleichzeitiger Geschmeidigkeit. Leder lässt Wasserdampf entweichen, ist aber relativ undurchlässig für Wasser. Sein Nachteil ist das höhere  Gewicht im Vergleich zu textilem Material.

Dennoch muss ein Lederschuh, und noch viel mehr ein Schuh aus Maschengewebe, mit einer Membran ausgestattet werden, wenn er tatsächlich wasserdicht sein soll. Dabei verwenden die meisten Hersteller die stark überdehnten Polytetrafluorethylen-Folien (PTFE) von Gore-Tex, die für den Luft- und Wasserdampf-Durchtritt winzige Poren haben. Lackher hingegen baut SympatexMembranen in seine Schuhe ein, die aus Wasser abstoßendem Polyurethan bestehen und Wasser aufnehmende Bestandteile aus Polyether haben. Die Zusammenarbeit dieser beiden Substanzen bewirkt, dass Wasserdampfmoleküle am Körper aufgenommen werden und außen, wo der geringere Dampfdruck herrscht, verdunsten. Trotz der Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit, die Membranen haben, also der so genannten „Atmungsaktivität“, ist ein Schuh ohne Membran jedenfalls luftiger. Und wenn man überwiegend bei trockenem Wetter unterwegs ist, sind Schuhe ohne Membran die erste Wahl. Die meisten der hier vorgestellten Modelle gibt es daher sowohl mit als auch ohne Membran. Bei membranlosen Mesh-Schuhen muss man allerdings damit rechnen, dass feine Sandkörner und Staub in den Schuh gelangen und Socken und Füße braun färben.

SCHNÜRSYSTEM

Ein weiterer wichtiger Aspekt eines Schuhs ist sein Schnürsystem, denn es trägt entscheidend dazu bei, wie gut ein Schuh passt. Optimal ist eine Schnur eng, die es zulässt, unterschiedlich fest zu schnüren. Damit kann man je nach Bedarf und Belieben entweder an den Zehen oder am Rist fester schnüren und den anderen Bereich lockerer lassen. Damit dies möglich wird, müssen die Schuhbänder eine möglichst hohe Reibung haben, wie dies vor allem bei den Schuhen von La Sportiva, Nike, Lackher, Mammut, Salewa und The North Face gegeben ist.

Ein zweiter Aspekt betrifft die Länge der Schnürung: Je weiter sie nach vorne geht, umso fester kann man den Schuh auch im Zehenbereich schließen, was deutlich mehr Halt gibt. Dies macht sich vor allem beim seitlichen Antritt in Kletterpassagen vorteilhaft bemerkbar. Hier sind in erster Linie der Vitamin von Scarpa und der Firetail GTX von Salewa als vorbildlich zu nennen, aber auch beim Escape Pro GTX von Garmont geht die Schnüreng recht weit nach vorne. Diese Art von Schnürung birgt allerdings die Gefahr, dass sich auf der Höhe, wo die Zehen abknicken, eine Kuhle bildet, die auf den Fuß drückt, was bei einem Schuh mit kurzer Schnüreng kaum der Fall sein dürfte.

Einige Hersteller geben der Schnü- rung noch eine zusätzliche Aufgabe: Bei Garmont und Salewa sind die Schuhbänder mit Fersenbändern verbunden, und bei La Sportiva ist das Schuhband gleichzeitig das Fersenband. Ziel dessen ist es, dass auch der Fersenbereich des Schuhs mit dem Zuschnüren fester an den Fuß gebracht wird. Gut funktioniert dies allerdings nur bei La Sportiva: Der Fersenbereich verengt sich spürbar, und der Druck verteilt sich über den ganzen Fuß. Beim Salewa bewegt sich der Stahldraht ein wenig, wenn man recht fest schnürt. Aber beim Garmont ist die Reibung des Textilbands zu hoch; hier beginnt die Schnürung zuerst am Rist zu drücken.

REFLEKTOREN

Ein schönes Detail einiger Schuhe sind reflektierende Elemente, die das Gehen bei Dunkelheit deutlich sicherer machen. Unserer Erfahrung als Autofahrer nach können Fußgänger nachts gar nicht genug blitzen und blinken, damit man sie sieht. Und hier können Schuhe einen wesentlichen Beitrag leisten. Dem tragen die hier vorgestellten Modelle von Garmont, Lackher und Nike Rechnung,

SCHLUSSSPURT

Einen besten Schuh unter so verschiedenen Modellen herauszustreichen, ist kaum möglich, denn der beste Schuh ist der, der dem Träger oder der Trägerin richtig gut passt und der auf dem Terrain zuhause ist, auf dem er eingesetzt wird. Testsieger wird daher der Schuh dieser Übersicht, der am stärksten auf „Speed“ ausgelegt ist: der Gorgon GTX von Lowa. Er unterstützt den Läufer/die Läuferin deutlich spürbar in der Vorwärts-Bewegung. Den Preistipp bekommt der günstigste unter den hier vorgestellten Schuhen, der Air Pegasus+ 28 Trail von Nike, der den schnellen Schritt mit seinem geringen  Gewicht fördert.

 

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