Vier Apps for the Alps im Test

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Endlich Offline! Apps for the Alps

Als Google vor einigen Jahren damit begann kostenlose Kartendienste feilzubieten, ahnte wohl kaum jemand, dass es gerade die standortbasierten Anwendungen sind, die einen Paradigmenwechsel am Mobiltelefonmarkt einläuten werden. Die Menschen freuten sich aufrichtig darüber, das eigene Hausdach im Internet zu finden – für wesentlich mehr waren die Karten damals auch noch nicht zu gebrauchen.

Inzwischen sind Navi-Anwendungen vom Smartphone nicht mehr wegzudenken, und die mit GPS und Kartensoftware ausgestatteten Geräte knabbern hungrig am Umsatzkuchen der etablierten Navi-Hersteller. Handyanbieter, die diesen Trend versäumten, hinken heute hinterher – davon weiß man in Finnland sicher ein Lied zu singen. Im alpinen Bereich gelten Karte und Kompass jedoch nach wie vor als nicht ersetzbar – in erster Linie wegen ihrer Unabhängigkeit von Akku und Ladekabel und der geringeren Fehleranfälligkeit. Dazu kommt das Verlangen vieler Apps nach einer aufrechten Internetverbindung. Breitband mag in Ballungszentren inzwischen flächendeckend verfügbar sein – in zivilisationsfernen Regionen ist die Sicht zum Handymasten selbst für den bescheidenen Datendienst SMS nicht überall gegeben.

Nun, das Handy ist aus Sicherheitsgründen ohnehin mit dabei – was spricht also dagegen, ein paar Tools draufzugeben, die auch im Offlinebetrieb hervorragende Features anbieten (und bei einem vernünftigen Preis-/Leistungsverhältnis in vielen Anwendungsbeispielen die Mitnahme einer separaten GPS Hardware verzichtbar machen)? Und: Neben der Unabhängigkeit vom Ausbauplan des eigenen Netzbetreibers helfen diese Apps dabei, im Ausland Roamingkosten einzusparen – ohne aufs Navi verzichten zu müssen.

APE@MAP

Es ist wohl der gebirgsnahen Lage der Halleiner Softwareschmiede onyx zu verdanken, dass ape@map wie geschaffen für den Ostalpenraum erscheint. Zum einen ist der Klammeraffe der Einzige im Rennen, der das Überspielen digitaler Karten heimischer Kartenverlage auf das Smartphone unterstützt. Das sind jene DVDs, die üblicherweise während der Tourenplanung in Papier verwandelt werden: Neben den Karten des Österreichischen und Deutschen Alpenvereins werden vor allem die der Partner Kompass, BEV, Touratech und Swisstopo unterstützt. Für Regionen, die außerhalb des eigenen, gekauften Kartenmaterials liegen, gibt es eine On- und Offlineschnittstelle zu OpenStreetMap. Wer keine vollständige Version einer digitalen Kartensoftware sein Eigen nennt, kann über ape@map nach Bedarf 50×50 km große Kartenausschnitte bei KOMPASS downloaden (a´€ 9,90).

Onyx hat auch an die Anwender gedacht, die auf einem Handydisplay die Sicht auf die umliegende Bergwelt vermissen. Eine 3D-Karte für Mitteleuropa ermöglicht das virtuelle Abfliegen von Berg und Tal. Mithilfe von GPS und Richtungssensor eignet sich ape@map daher auch sehr gut zur Gipfelbestimmung. Die Grafik ist ansprechender als die des Mitbewerbers Peakfinder, und beinhaltet neben der detaillierteren Gipfeldatenbank auch Hütten und Talorte. Das rechtfertigt im Vergleich auch den etwas höheren Preis. Nachteil: Für das Herumfliegen in unbekanntem Terrain wird eine In- ternetverbindung benötigt.

Weiters besteht die Möglichkeit, sich gegen Aufpreis an eine Tourendatenbank mit rund 30.000 Einträgen anzudocken. Die Abfrage ist online und offline möglich – den vorherigen Download der Einträge einer Region vorausgesetzt. Jede Tour lässt sich dann auch mit der 3D-Erweiterung abfliegen. Der Zusatznutzen gegenüber Google Earth besteht in der klaren Darstellung der für Bergfexe wichtigen Informationen. So sieht man – je nach Tageszeit – welche Tourenabschnitte im Schatten und welche in der Sonne liegen. Berghänge lassen sich nach ihrer Neigung in unterschiedlichen Farben darstellen. Hat man sich daran erstmal daran gewöhnt, dass die Menüführung für eine Android-Software etwas untypisch gestaltet wurde, will man den papierlosen Überall-Zugriff auf den eigenen digitalen Kartenbestand bald nicht mehr missen.

LOCUS PRO

Locus erfreut sich aufgrund seiner bedienerfreundlichen Oberfläche großer Beliebtheit. Ähnlich wie bei der weiter unten vorgestellten Software Orux-Maps lässt sich der Bildschirm ganz auf die eigenen Bedürfnisse zuschneidern. Obwohl die App kaum Wünsche offen lässt, ist jede Funktion schnell gefunden und lässt sich intuitiv bedienen.

Locus lässt sich – wie alle hier vorgestellten KartenApps – sowohl online als auch offline nutzen. Neben der Unterstützung von kachelbasierten Offlinekarten lassen sich auch speicherplatzschonende Vektorkarten herunterladen und ohne Internetverbindung ansehen – ganz Österreich schlägt sich beispielsweise mit nur rund 140 MB zu Buche. Allerdings sind Vektorkarten bestenfalls für die grobe Orientierung (z.B. bei der An- fahrt) zu gebrauchen – für den Einsatz im Gelände ist die Darstellung zu ungenau. Wenn Speicherplatz kein Thema ist: Mit der freien Software MOBAC lassen sich am PC aus unterschiedlichsten Quellen Offlinekarten erstellen. Diese werden einfach aufs Smartphone kopiert und sind sofort nutzbar.

Locus unterstützt onroad und offroad Navigation, beherrscht also den Weg zum nächsten Reifenhändler genauso wie die Berechnung der ausstehenden Höhenmeter zur Gipfelrast. Routen für den Offlinebetrieb werden vorab online berechnet und am Gerät gespeichert. Eine Neuberechnung der Route bei eventuellen Abweichungen  vom Weg ist im Offlinebetrieb nicht möglich. Da es bei Wandertouren aber vergleichsweise selten zu Staus und Umleitungen kommt, ist dieses Manko verschmerzbar.

ORUXMAPS

Orux bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie Locus, der Vorteil liegt jedoch bei der Bedienung unterwegs. Statt einem üppigen Toolkit für die Vor-und Nachbereitung von Tracks und Routen bietet Orux eine übersichtliche 6-Punkte Hauptansicht, die auf einen Klick den Zugriff auf On- und Offline-kartenmaterial gestattet, Wegpunkte und Tracks direkt ansteuert, sowie ein Dashboard mit nützlichen Livedaten (Höhe, Geschwindigkeit, Distanz, Kompass …) bereitstellt. Lobend sei erwähnt, dass OruxMaps als einziges vorgestelltes Tool ein komplettes PDF Handbuch in Deutsch oder Englisch anbietet. Für alle anderen (Offline-)KartenApps wird bei Fragen oder Problemen eine Internetverbindung benötigt.

Es ist schwer zu sagen, ob nun Locus oder OruxMaps das mächtigere Tool ist. Beide können in etwa gleich viel, der Unterschied liegt in der Gewichtung der einzelnen Funktionen. Und beide Apps sind grundsätzlich gratis: Bei Orux enthält die kostenlose Version den vollen Funktionsumfang, der spanische Entwickler bittet bei Wohlgefallen um eine Spende von 2 Euro. Ähnlich verhält es sich bei Locus – der Unterschied zwischen der kostenlosen Version und der Vollversion beträgt 4 Euro. Es spricht also  kaum etwas dagegen, beide Versionen zu testen.

OSMAND

Wie schon der Name verdeutlicht, ist OsmAnd das Ergebnis der Verknüpfung von OpenStreetMap mit Android. Wie Locus unterstützt auch OsmAnd das volle Paket an Kartenquellen, also Online-, Offline- und Vektorkarten, jeweils gespeist aus der Freiwilligengemeinschaft der OSM-Projektteilnehmer. OSM Karten werden von Personen befüllt, die „ihre” Region am besten kennen und daher oft eine weitaus umfangreichere Kartierung vorhandener Referenzpunkte (Brunnen, Wegweiser, Rastplätze …) zusammenbringen, als dies kommerziellen Anbietern überhaupt möglich ist.

OsmAnd bietet also Zugriff auf OpenStreetMap, und das in beide Rich- tungen: Wer am Projekt mitarbeitet, kann auch von unterwegs Daten hoch-laden, Punkte einzeichnen etc. Für alle anderen ist OsmAnd eine hervorragende Kartensoftware mit der Option, Offline-Vektorkarten darzustellen. Und das gelingt der App deutlich hübscher, als das bei Locus der Fall ist. Bei aufrechter Internetverbindung ist die App außerdem auch routingfähig und unterstützt den Zugriff auf Wikipedia POIs.

GOOGLE MAPS

Auch Google Maps bietet seit dem letzten Versionsupdate seinen Usern die Möglichkeit, Karten am Gerät zu spei- chern. An einem beliebigen Punkt lassen sich die Kacheln der umliegenden 16 km herunterladen. Wer sich also beispielsweise ein Wochenende in Triest aufhält, tippt daheim kurz auf die Stadtmitte und lädt via Popup-Menü das Kartenmaterial aufs Handy. Roamingkosten fallen unterwegs nur für die benötigten Livedaten an, also beispielsweise für Navigation oder Verkehrsinfos. Ein Vergleich mit den anderen vorgestellten Outdoor-Lösungen macht jedoch darüber hinaus keinen Sinn -denn Google Maps spielt seine Stärken  überwiegend online, also in Kombination mit variablen Livedaten aus.

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