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GIBT ES DIE BESTE?

Welche Membran ist die beste? Eine Frage die die Outdoor- und Bergsportwelt bewegt, seit es mehr als nur eine Membran gibt. Und die Auswahl ist in den letzten Jahren größer geworden. Damit ist natürlich auch die Frage nach der „besten“ Membran immer mehr in den Fokus gerückt. ALPIN ist der Frage auf den Grund gegangen.

Die Hersteller loben alle ihre Produkte. Aber welche Kriterien sind es, die die Qualität von Hardshelljacken ausmachen? Im Vordergrund stehen ganz sicher mal die drei Punkte wwa – winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv. Denn damit werden wir seit über 30 Jahren in der Werbung bombardiert.

Fangen wir mit dem einfachsten Punkt an: der Winddichtigkeit. Alle Jacken im Test sind winddicht! Alle? Nein, nicht wirklich. Das hängt auch von der Membran ab. Denn die Rab Stretch Neo aus Polartec Neo Shell lässt ein wenig Luft zirkulieren. Zwar nur minimal (Polartec sagt winddicht zu 99 Prozent), aber eben doch. Das ist auch das Geheimnis des Materials. Neo Shell lässt nicht nur Wasserdampf von innen nach außen (dampfdurchlässig), sondern hat auch ein gewisses Maß an Ventilation. Dadurch wird mehr Wasserdampf „abtransportiert“, als wenn dieser durch eine Membran diffundieren muss. Wären wir bei dem zweiten Punkt der W’s: der Wasserdichtigkeit. Es gibt Definitionen für Wasserdichtigkeit, aber die sind im Outdoorbereich wenig relevant (13 mm laut EN 343:2003). Für Alpinisten gilt ein Stoff als ausreichend wasserdicht, wenn er mindestens 4000 mm Wassersäule aushält. Setzt man sich auf einen nassen Untergrund, wird ein Druck von etwa 2000 mm aufgebaut. Kniet man sich auf nassen Untergrund (z.B. Zeltboden) kann ein Druck von bis zu 4800 mm entstehen.

WIE DICHT IST DICHT?

Die meisten Materialien im Test „schaffen“ deutlich mehr. Gore-Tex gibt für Pro Shell (im Test: Haglöfs, Norröna und Mammut) eine Wassersäule von 28000 mm an, Sympatex (im Test: Vaude) sogar eine Wassersäule von 35 000 mm. Stellt sich die Frage, ob das nötig ist. Ein gewisses Maß an Sicherheitsreserve ist vielleicht nicht schlecht, aber mehr als dauerhafte 10 000 mm müssen nicht sein. Die Betonung liegt hier auf „dauerhaft“.

Denn die Wasserdichtigkeit der Membranen nimmt durch verschiedene Einflüsse ab. So erreicht Neo Shell im Neuzustand 10000 mm, nach 20 Wäschen nur noch 5000 mm (laut Polartec). Gore-Tex Active Shell hat im Neuzustand 27 000 mm, nach etlichen Wäschen lässt das Material Wasser spürbar durch – man wird nass. Deshalb halten wir den Ausgangswert für weniger entscheidend. Wichtig ist der Wert, den das Material nach drei, fünf oder sieben Wäschen, einem Maß an Verschmutzung und Versalzung (Schwitzen) und etlichen Tagen im harten Bergeinsatz schafft. Dieser Wert lässt sich leider nur sehr schwer ermitteln. Alle Testjacken waren nach drei Wäschen und einigen Tagen draußen noch bis 10 000 mm Wassersäule dicht – überprüft!Kommen wir zum letzten Punkt der W’s: der Atmungsaktivität. Das ist wohl der Punkt, der in den letzten Jahren für den meisten Diskussionsstoff gesorgt hat. Eine wasserdichte Jacke zu konstruieren, ist nicht schwer.

Entscheidend ist, was an Wasserdampf noch durch den Stoff (die Membran) durchgeht. Wobei an der Jacke nichts „aktiv“ ist. Richtig müsste es heißen: Wasserdampfdurchgängigkeit oder wenn schon dann Atmungspassivität. Für den Wasserdampfdurchgang gibt es inzwischen eine Vielzahl von Messmethoden. Jeder Hersteller bemüht die Methode, bei der er die besten Ergebnisse erzielt. Und da es innerhalb der Methoden noch x verschiedene Varianten gibt, sind die Angaben der Hersteller nicht miteinander vergleichbar. ALPIN wollte es genau wissen und hat nachgemessen. Unter denselben Bedingungen und mit derselben (anerkannten) Methode. Und zwar im Bekleidungsphysiologischen Institut in Hohenstein, wo wir den RET-Wert für alle Materialien im Test ermittelt haben. Der RET gibt den Widerstand an, den eine Membran dem Wasserdampf entgegensetzt. Optimal sind Werte unter 3,0.

Mit einer anderen (einfacheren) Messmethode könnte man den MVTR-Wert ermittelt. Aber der ist auf Hohenstein nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt wird. Jnd die RET-Werte? Mit Span haben wir die Ergebnisse erwartet. Bestätigen sie die Eindrücke aus der Praxis? Meist! .Aber sie bergen auch Überraschungen. Es zeigt sich einmal mehr, dass Gore Pro Shell nicht gleich Gore Pro Shell ist. Zwei Jacken aus Pro Shell haben sehr -ut abgeschnitten, Norröna 3,90) und Mammut (3,18) lagen eng beieinander. Das Material der Haglöfs Spitz 2 war mit einen RET-Wert von 6,35 deutlich weniger dampfdurchlässig. Auf gut waren wie erwartet die   acken aus Gore Active Shell vergleicht man aber die Werte mit den guten Pro Shell Werten und setzt sie dann in Relation zur Robustheit und Haltbarkeit, muss man den Sinn von Active Shell (zumindest für den Bergsportbereich) hinterfragen. Auch richtig gut war das Polartec Material Neo Shell in der Rab Jacke. Und das, obwohl der RET-Wert noch nicht die Ventilation berücksichtigt, die Polartec so betont.

Dass die Zweilagenjacke von Schöffel in Sachen Atmungsaktivität ganz vorne landet, mag auf den ersten Blick überraschen, ist aber verständlich, da der Wasserdampf durch eine Lage Kleber weniger durchdiffundieren muss als bei einer Dreilagenjacke. Dass MVTR-Wert und RET-Werte nicht direkt vergleichbar sind, zeigt der Fall Salewa, Laut Salewa hat die Garwhal PTX einen MVTR-Wert von 30 000 (was richtig gut ist!), der RETWert von 5,57 sieht dagegen schon wieder anders aus. Und die anderen Membranen? Montane mit der eVent-Membran liegt sehr gut im Rennen (RET: 3,26) die Membran Dry.Q Elite von Mountain Hardwear kann da nicht ganz mithalten (RET: 5,88). Dermizax EV liegt mit 6,32 im hinteren Drittel und Vaude mit Sympatex schlägt sich mit 5,60 ordentlich.

WICHTIGE DETAILS

Damit wären wir mit den W’s durch. Aber die sind ja nicht die einzigen Aspekte, die eine gute Jacke ausmachen. Schnitt, Details und Design spielen eine wichtige Rolle. Was nützt mir die Jacke mit den besten Werten, wenn sie nicht passt? Schnitt und Passformen haben wir mit der Schneiderin und Designerin Barbarg Heinze erörtert. Und was die in den einzelnen Jacken sieht, ist erstaunlich. Wenn bei einem Hersteller das Damenmodell sehr gut ist, heißt das noch lange nicht, dass der Schnitt des Herrenmodells auch sehr gut ist (eigentlich logisch). Man kann auch eindeutig sehen, ob eine Jacke eher auf eigenständiger Entwicklung basiert oder ob der Hersteller mal nach rechts und links geschielt hat. Regelrecht begeistert war die Schneiderin von der NorrönaJacke: toller Schnitt, top Verarbeitung.

Neben den oben aufgeführten Kriterien haben wir noch geprüft, wie robust die Jacken sind. Schließlich sollen bis zu 650 Euro (!) ja nicht nur für zwei Jahre angelegt sein. Dazu haben wir uns die Oberstoffe aller Jacken unter dem Mikroskop mit 200-facher Vergrößerung angesehen. All die Jacken, die durch einen guten Wasserdampfdurchgang auffallen, haben einen weniger dicht gewebten Oberstoff. Bei einigen Herstellern konnte man unter dem Oberstoff sogar die Membran erkennen. Da überrascht es nicht, dass diese Stoffe weniger robust sind. Einige Materialien waren schon nach einem Scheuer-Zyklus mit einem 180er Sandpapier (das ist ungefähr so rau wie eine feine Nagelfeile) stark beschädigt. Und dabei haben wir keinen großen Druck ausgeübt. Dass dieser Test nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt die Tatsache, dass es Jacken (Materialien) gibt, die zehn Scheuer-Zyklen mit 180er Papier und fünf Zyklen mit dem schon sehr rauen 80er Schmirgelpapier fast unbeschadet überstehen.

Am robustesten waren die Testjacken aus Gore-Tex Pro Shell. Am meisten Spuren zeigten die Modelle von Montane und Mountain Hardwear. Bei den Scheuer-Zyklen überraschend robust erwies sich das Gore Active Shell Material bei North Face. Dafür zeigte diese Jacke aber nach zwei Wäschen im nassen Zustand massive Bläschenbildung, was auf eine Delaminierung des Materials schließen lässt. Gibt es nun die „beste Jacke“ oder das „beste Material“? Das ist sicherlich nicht zuletzt auch eine Frage des Geldbeutels. Denn zwischen 250 und 650 Euro liegt eine weite Spanne. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ja auch eine Größe, die bei einer Kaufentscheidung eine wichtige Rolle spielt. 0. Perwitzschky

 

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