12 Riegel im Test

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DEN RIEGEL VORSCHIEBEN

Ohne Mampf kein Dampf. Auf Tour müssen wir zwischendurch für energiereichen Nachschub sorgen. Aber wie? Brauchen wir dazu Power-Riegel oder tut’s die Banane auch? ALPIN hat zehn Riegel und zwei Gels getestet.

Aus Sicht der Sporternährung gibt es zwei Bereiche, die beim Bergsport für deutlichen Leistungseinbruch verantwortlich sein können. Massive Dehydrierung, also zu wenig Flüssigkeit, und starker Kohlenhydratmangel. Wir müssen also für Nachschub sorgen. Dabei spielt nicht die Gesamtkalorienmenge der Nahrung, sondern ihr Kohlenhydratgehalt eine Rolle. Denn selbst schlanke Menschen haben rund 50 000 Kilokalorien (kcal) im Fettgewebe gespeichert – das würde sogar für mehrtägige Wanderungen ausreichen. Der Körper verbraucht bei Ausdauerbelastungen jedoch nicht nur Fett, sondern immer auch Kohlenhydrate. Dabei gilt die Devise: Je intensiver, also anstrengender die Belastung, desto mehr Kohlenhydrate werden verbrannt. Wer also steile Passagen in schnellem Tempo zurücklegt, greift kräftig in die körpereigenen Kohlenhydratspeieher. Und die sind relativ klein. Gehen sie zur Neige, meldet sich Hunger. Wer dann nichts isst, bekommt einen ausgewachsenen Hungerast: Schwäche, Schwindel und eine unbändige Lust auf eine ausgeprägte Pause machen sich breit. Wohl dem, der vorgesorgt hat und ein paar Kohlenhydrate aus dem Rucksack ziehen kann. Die Bandbreite ist groß.

Sie reicht von Brot und Obst über Kekse, Toast bis hin zu Energieriegeln und Gels. In unserem Test gehen die Zusammensetzung der Nährstoffe, der Geschmack und die Handhabung, also beispielsweise die Verpackungsgröße, Verhalten bei Wärme und Kälte und anderes zu gleichen Teilen in die Gesamtnote ein. Denn was bringt ein Riegel, der zwar das Richtige enthält, aber nicht schmeckt oder sich bei Wärme in Brei auflöst bzw. bei Kälte hart wie Beton wird.

Was uns vor allem interessierte, war, wie viel Prozent der im Riegel oder Gel enthaltenen Kalorien auf die Kohlenhydrate entfallen. „Wenn ich mir statt (preiswerten) belegten Broten oder Obst (teure) Riegel und Gels in den Rucksack lege, sollten sie in puncto Kohlenhydraten schon ordentlich was bringen. Wo liegt sonst der Nutzen?”, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Claudia Osterkamp-Baerens. 60 Prozent oder mehr sollten es schon sein. Fett, Ballaststoffe, Spurenelemente oder Vitamine sind dagegen unnötig und können vor allem bei intensiven Belastungen an der Leistungsgrenze sogar zu Bauchschmerzen führen. „Man sollte sich vor seiner Unternehmung Gedanken über die Ernährung machen”, rät Osterkamp-Baerens. „Wer Zeit hat, immer wieder Pausen einlegt und beim Gepäck nicht sparen muss, ist mit Brot, Trockenobst und Obst bestens versorgt.”

ANDERS IST DIE SITUATION aber auf langen Hoch- und Klettertouren oder wenn es schnell gehen soll wie beim Speedhiking oder bei sportlichen Skitouren. Da können Riegel und Gels bei vergleichbarer Größe mehr Kohlenhydrate bringen als das Brot oder die Banane. Sie bieten viel Energie bei wenig Platzbedarf und Kauaufwand. Daher haben wir die Produkte auch auf ihren Einsatzbereich hin unterschieden. Als Strategie empfiehlt die Expertin, Riegel und Gels erst später im Verlauf der Tour zu essen. „Es tut dem Magen gut, wenn etwas Normales drin liegt.” Am besten startet man mit einem gesunden Frühstück und greift auch bei den ersten Pausen noch auf Gewohntes zurück. Erst später, wenn es auf dem Gletscher oder dem Grat kälter wird und die Zeit womöglich drängt, sind Riegel und Gels günstiger. „Gel bleibt für mich etwas, was man sich in die Haare oder auf Prellungen schmiert”, meint ALPIN-Tester und Koch Gregor Weber flapsig. Für den Gourmet mag das zutreffen, „physiologisch machen sie aber richtig eingesetzt Sinn”, gibt er zu.

ALS NOCH BEKANNTE ALTERNATIVEzum Gel schlägt Osterkamp-Baerens Fruchtgelees wie beispielsweise den Früchte-Spaß von Hipp vor. „Sie schmecken natürlich, lecker und sind eine prima Erfrischung für zwischendurch”, findet auch Gregor Weber. Testsieger wurde der High Energy von Isostar. 75 Prozent der enthaltenen Energie entfallen auf Kohlenhydrate. Die „süße Bombe” mit langem Abgang von Orange und Zucker erhielt gute Noten beim Geschmackstest. Mit 40 Gramm Riegelgröße ist der High Energy mittelgroß, lässt sich gut auch in der Hüftgurttasche unterbringen und leicht auspacken. Der zudem moderate Preis von 99 Cent pro Riegel macht ihn unter den getesteten Produkten zu dem am besten geeigneten Nachschublieferanten für Hochtour und lange Wanderung.

ALS HEFTIGER SATTMACHER und Kalorienbombe erwies sich der Energize von Power-bar. Der Assoziationen zu kompaktem Kaugummi erweckende Riegel polarisierte  die Tester. Von seinen 200 kcal entfallen bei 55 Gramm Gewicht über 80 Prozent auf Kohlenhydrate. Ein sehr hohes Energieniveau, das auf Hochtouren große Sicherheit gibt. Leider wird er bei Kälte hart, deswegen trotz des „Hochtouren-Tipps” nur die Note „gut”. Den Geschmacks-Tipp ergatterte sich der Früchte-Spaß von Hipp. Der „Geheimtipp” der Ernährungsexpertin war nicht nur beim Geschmack ganz vorne dabei. Auch der geringe Kauaufwand und das problemlose Handling des wiederverschließbaren Beutels machten ihn für die Tester zu einer positiven Überraschung. Die meiste Energie fürs Geld gibt es beim Fruchtriegel von Seeberger. 85 Cent kostet ein Riegel mit 89 Prozent Energie durch Kohlenhydrate. Fehlende Zusatzstoffe, sehr gutes Handling durch das Oblatenpapier und sehr angenehmes Kauen: Da stimmen Leistung und Preis. Gut vorne mit dabei war auch der Fruit Snack von Viba. Der Carbohydrate Bar von Xenofit passt zwar energetisch ins Gebirge, kann aber vom Geschmack und Handling her nicht ganz überzeugen.

DER OAT PACK VON SPONSER ist geschmacklich bei den besseren Produkten, hat aber einen hohen Fettanteil. Wenn Anstrengung den Mund trocken macht, braucht er zu viel Wasser. Der Corny von Schwartau war den Testern zu künstlich im Geschmack und fing schon bei milden Außentemperaturen an zu kleben.

Für die beiden getesteten Gels konnte sich beim Geschmackstest niemand erwärmen. „Dann doch lieber warten und etwas Leckeres einwerfen”, war die Meinung. Für leistungsorientierte Bergsportler ist ihr Sinn allerdings unbestritten. Sowohl das Liquid Energy Plus als auch das Carbohydrate bringen 100 Prozent Energieausbeute. Das Gel von Sponser lässt sich zudem wieder verschließen. Nicht nur beim extremen Skitourenrennen, sondern auch wenn nach Stunden die Hochtour, der Klettersteig oder die Wand immer länger werden, geben sie nochmal vollen Schub ins Ziel.

 

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