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Berglust- Fuß-Frust?

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Hersteller unser Anforderungsprofil interpretieren. Wir wollten Schuhe haben für Hüttenzustiege und Wanderungen von Hütte zu Hütte. Die Beschaffenheit der Wege war mit Single-Trails (Pfaden und Steigen) sowie schlechten Forstwegen beschreiben. Nach unserem Dafürhalten ein ganz klarer Kategorie-„B”-Schuh (Definition: Wandern auch auf schlechten Wegen und Steigen), wobei wir die Kategorie nicht explizit genannt haben.

Die Bandbreite dessen, was wir bekommen haben, reichte vom „hohen Turnschuh” (Havoc Mid von The North Face) bis zum Altai von Hanwag oder Air Revolution 2.3 von Meindl. Auf den oben beschriebenen schlechten Fahrwegen funktionieren die leichten Vertreter vielleicht noch. Bei einer Wanderung von Hütte zu Hütte ist aber ein Rucksack mit acht oder zehn Kilo dabei und die Wege sind schlecht. Nichts für Schuhe mit Sportsohle. Der oben genannte North Face, aber auch der Redburn Mid von Mammut oder der Alp Trainer von Salewa stoßen da schnell an ihre Grenzen. Was aber macht einen komfortablen Wanderschuh aus? Wichtig sind eine gute Passform, die Halt gibt, ohne Druckstellen zu erzeugen, eine homogene Abstimmung von Sohle, Unterbau und Schaft, eine gute Dämpfung, eine griffige Sohle und natürlich eine gute Verarbeitung.

Besonders mit dem Halt im Schuh ist das bei leichteren und weichen Schuhen nicht ganz so einfach. Einen festen Schuh zu konzipieren, der den Fuß hält, ist das eine. Einen leichten und weichen Schuh fertig zu bringen, der trotzdem guten Halt bietet, ist das andere. Außerdem besteht bei den weichen Schäften die Gefahr, dass Ösen oder Nähte eher Druckstellen bilden. Wir haben selten so viele Schuhe im Test gehabt, bei denen etliche Tester sich über Druckstellen am Knöchel beschwert haben. Am auffälligsten war das beim Salewa Alp Trainer. Der recht niedrige und weiche Schaft, die zwei sehr eng beieinander liegenden Ösen und eine nicht ganz sauber eingenähte Wasserlasche bedingen die Druckstellen.

Da hilft nur locker schnüren. Aber das geht auch nur in leichtem Gelände und kann nicht Voraussetzung für das Funktionieren eines Schuhs sein. Auch bei einem alten Bekannten, dem Lowa Khumbu, waren die Druckstellen auf den Innenknöchel deutlich, ebenso am Aku Trek. Der Lowa hat uns zudem aber noch in einem anderen Punkt überrascht. War das Vorgängermodell vor vier Jahren noch Testsieger, konnte die überarbeitete Version (Khumbu 2) nicht voll überzeugen. Vor allem in Sachen Passform hat der Lowa es nicht geschafft, Testers Füße satt zu fixieren und sicher zu halten. Eigentlich sonst eine Stärke von Lowa.

AUF DEN ERSTEN BLICK machte Hanwag, der andere „Traditionshersteller” aus Deutschland, einen deutlich besseren Eindruck: guter Sitz, leichtes Handling, super Abrollen. Aber trotz der runden Abrollbewegung bildeten sich im Zehenbereich (leichte) Abrollfalten (Zehenfalten). Und beim zweiten Blick ins Innere des Schuhs offenbaren sich bei den Größen 39 und 43 deutliche Falten im Gore-Tex Futter. Die spürt man vielleicht nicht immer, stellen aber eine potentielle Verschleißstelle dar, quasi eine Sollbruchstelle. Trotzdem gehörte der Hanwag zu den beliebteren Schuhen der Tester.

Es gab aber ein Modell, an dem es gar nichts auszusetzen gab: Der Air Revolution 2.3 von Meindl überzeugt durch ein rundes Konzept, Sohle und Schaft sind aufeinander abgestimmt, die Passform ist hervorragend und die Qualität, wie man es von Meindl erwartet, sehr gut. Unterm Strich unser klarer Testsieger.

NICHT BEI ALLEN MODELLEN ist die Abstimmung so rund und harmonisch. La Sportiva hat mit dem Omega einen Lederschuh in den Test gegeben, der durch die Sportiva-typische Passform glänzt. Allerdings passt nach unserem Empfinden der Schaft nicht so ganz zu dem ansonsten sehr guten Schuh. Er erschien uns etwas niedrig und weich. Aber es mag sicherlich Wanderer und Bergsteiger geben, die genau das mögen. Beim „normalen” Gehen ist es auch eher angenehm als störend. Erst im schwierigen Terrain wünscht man sich manchmal etwas mehr Stabilität. Dafür ist das Leder-Innenfutter des Omega wieder eine Schau – gut verarbeitet und als einziger Schuh mit natürlichem Innenfutter und ohne Membrane. Es gibt Leute, die auf Lederfutter stehen. Es bietet ein gutes Fußklima und hält länger.

Eine durchaus positive Überraschung bescherte uns Jack Wolfskin. Der All Terrain Hi machte vom ersten Moment des Anziehens eine gute Figur und umschmeichelte die Füße. Allerdings wird dieser erste, sehr angenehme Eindruck mit recht viel Polstermaterial erkauft, das sich nach einigen Malen Durchschwitzen setzen wird. Dann ist der All Terrain ganz sicher immer noch ein guter Schuh, vermittelt aber nicht mehr ganz den Komfort und Halt wie im Neuzustand.

ES GIBT ABER LEIDER nicht nur Schuhe im Test, die durch gute Verarbeitung und gute Materialien glänzen. Northland bietet mit dem Glockner einen einfachen Schuh mit mäßiger Ausstattung. Besonders auffällig ist die Sohle, die zwar von Vibram ist, aber auch von Vibram gibt es inzwischen billige Sohlen. Auch Mammut kann mit seiner Sohle und der Verarbeitung nicht punkten. The North Face spendiert dem Havoc Mid eine Sohle mit Sichtfenster, auf der Straße vielleicht noch ganz nett, im Gelände eine echte Sollbruchstelle.

Die Preisspanne der Testschuhe reichte von 140 Euro für den Northland bis zu 210 Euro für Hanwag und Zamberlan. Das Gros der Testschuhe bewegte sich zwischen 170 und 200 Euro. Und dass der teuerste Schuh nicht auch gleich der beste sein muss, sieht man bei Zamberlan. Handwerklich und qualitativ gut gemacht, hat uns der Steep GT vor allem aufgrund der sehr voluminösen Passform nicht überzeugt. Halt bekommt man nur schwer. Und wenn man keinen Halt hat, wird man sich in anspruchsvollem Gelände nie richtig sicher fühlen. Außerdem ermüden die Füße schneller.

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