SCHLUSS MIT KALT!!

Die Daunenjacke wurde in den USA erfunden, und das gleich zweimal. 1940 ließ ein Kleiderfabrikant in Seattle, Eddi Bauer, eine mit Daunen gefütterte Jacke patentieren. Jedoch stand für Bauer der Scheit im Vordergrund, das Außergewönliche an der Füllung war ihrn offenbar nicht klar. 1947 kam dann der Ingenieur Klaus Obermeyer aus Deutschland nach Aspera, wurde Skilehrer, und stieß dabei auf das Problem, seine Kunden in der trockenen Kälte Colora-dos bei Laune zu halten, ja sie überhaupt zum Weiterüben zu animieren, denn so manch ein frierender Schüler ließ Obermeyer nach der zweiten oder dritten Fahrt mit dem Lift einfach stehen – ohne vorherige Bezahlung. Zum Glück hatte Obermeyers Mutter dem Sohn eine Daunendecke ins ferne Amerika mitgegeben. Die nahm er nur und nähte eine Jacke daraus. Und obwohl diese Jacke vermutlich nicht den modischen Ansprüchen der Zeit entsprach, kaufte sie ein Skischüler für damals sehr beachtliche 250 Dollar. Der nächste Schritt war die Bestellung von 75 Daunejacken bei einem befreundeten Bettwaren-Hersteller in München. Auch diese Jacken fanden reißenden Absatz. Und so gründete Obermeyer die Firma „Obermeyer Sports”, die heute noch als Familienunternehmen besteht.

Mit den Jahren haben auch andere Hersteller das Potential der Daune als Füllmaterial für Kleidung erkannt, und wir können heute von knapp 70 Jahren Daunen-Erfahrung im Outdoor-Bereich profitieren. Dieser Praxistest hat daher Jacken zum Thema, die für winterliche Touren in den österreichischen Bergen geeignet sind, die man leicht im Rucksack unterbringt und bei Bedarf, zum Beispiel bei der Gipfelrast, anzieht. Einige dieser Jacken sind dabei so dünn, dass man sie als Isolierschicht unter einer Hardshell-Jacke tragen kann. Andere sind so dick, dass sie auch in den Westalpen einsetzbar sind. Die Vielfalt ist wie immer groß, gemeinsam ist ihnen die Füllung.

DAUNEN

Die Daunen sind das Untergefieder von Enten und Gänsen. Sie wachsen vor allem auf deren Brust und zeichnen sich durch besonders weiche und biegsame Verästelungen aus. In eine Jacke eingefüllt, hindern diese dreidimensionalen Verästelungen die Luft an der Konvektion, also am Bewegen. Und dieses „Einsperren” der Luft hält die Körperwärme drinnen und die Kälte draußen, denn nun können keine (bzw. viel weniger) warme Luftmole- kühle nach außen wandern und kalte nach innen.

Je voluminöser dieser konvektionsfreie Raum ist, umso besser ist die Isolation. Genauso wie bei der Dämmung eines Hauses kommt es darauf an, wie dick die Hülle ist. Jedoch ist dicker ir Sachen Daunenjacke nicht notwendigerweise besser, sondern anders: Ein dickere Daunenjacke schützt vor tieferen Temperaturen als eine dünnere, aber wann ist es bei uns schon so richtig kalt? Denn mehr Volumen bedeute in der Regel auch mehr Gewicht und eine Einschränkung der Beweglichkeit.

Die Füllmenge ist jedoch nicht das einzige Kriterium für die Isolierleistung einer Jacke. Ebenso wichtig ist die Qualität der Daune. Sie wird bestimmt durch ihre Herkunft und ihre Verarbeitung. Theoretisch sind die hi sichtlich der Isolierung besten Daune jene von großen, alten Gänsen, die in einem kalten Klima leben bzw. in der kalten Jahreszeit gerupft werden. Diese Daunenflocken haben die größte Bauschkraft. Entendaunen sind kleiner und haben daher eine geringe Bauschkraft. Daaber die Daunen und Federn oft Nebenprodukte der Fleischindustrie sind, stammen sie meist von jungen, ja sehr jungen Tieren. Hier macht es dann keinen wesentlichen Unterschied mehr, ob die Jacke mit Enten- oder Gänsedaunen gefüttert ist.

BAUSCHKRAFT

Die Bausehkraft lässt sich messen, und viele Hersteller preisen ihre Jacke mithilfe dieses Messergebnisses an. 800 cuin, so wird behauptet, seien besser als 700 cuin, seien besser als 600 cuin. Beschäftigt man sich aber intensiver mit der Messung der Bausehkraft von Daunen, wird deutlich, dass die Dinge so einfach nicht sind. Laut EN 12130 wird – grob gesagt – eine bestimmte Menge Daunen in einen Messzylinder gegeben. Diese werden aufgewirbelt und nach einiger Zeit mit einer genormten Andruckplatte beschwert. Dann ließt man ab, welches Volumen die Daunen im Zylinder einnehmen (www.en-standard.eu). Es geht aber auch anders: Man presst die Daunen im Messzy1inder 24 Stunden lang und misst dann das Volumen, auf das sich die Daunen wieder ausdehnen. Dazu kommt, dass die Messzylinder in den USA weiter sind als in Europa, dass der Anteil der Federn, der in der Daunenmischung immer vorhanden ist, mal in Masse (Gewicht) und mal in Volumen gemessen werden, und so weiter. Ein Blogger, der selbst zu Daunenproben und Messzylinder gegriffen hat und zudem offensichtlich über gute Kenntnisse aus Mathematik und Physik verfügt, kommt zu dem Schluss, dass die existierenden Messmethoden noch viel zu ungenau sind, selbst wenn man sich dabei streng an die bestehenden Normen hält. Und ein Hersteller, der mit der Qualität seiner Daunen nicht zufrieden sei, so sagt dieser Blogger, solle eher das Labor wechseln als den Lieferanten.

Aus all diesen Gründen empfehlen wir, die Cuin-Angaben als grobe Richtwerte zu nehmen, sie aber nicht überzubewerten. Den Ruck-Zuck-Bauschkraft-Test schließlich, der auch ein wenig aussagt, kann jeder selbst im Geschäft machen: Einfach ein Stück Jacke zwischen beiden Händen platt drücken, wieder loslassen und sich anschauen, wie stark sie sich wieder aufbauscht.

VERARBEITUNG

Die Verarbeitung der Daunen beginnt mit dem Rupfen, das hoffentlich am toten Tier passiert. Laut der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten” gibt es keine Kennzeichnung, die den Totrupf garantiert; wenn dies auf dem Produkt angegeben ist, kann es immer noch so gewesen sein, dass die Daunen zwar tatsächlich von toten Tieren stammen, diese Tiere aber auch schon zu Lebzeiten gerupft wurden. Bis zu  viermal im Jahr kann eine Gans oder Ente gerupft werden. Weitgehend schmerzfrei ist dies nur, wenn sich die Tiere gerade in der Mauser befinden. Akkordarbeiter haben aber keine Zeit, um die sich lösenden Daunen sanft aus der Haut zu ziehen. Verletzungen durch das Rupfen passieren daher oft.

Beim Totrupf werden die Tiere nach der Schlachtung gerupft. Dabei bevorzugt die Fleischindustrie die maschinelle Nassrupfung, um Federn und Daunen schnell loszuwerden, die Daunenindustrie aber wünscht sich die Trockenrupfung per Hand, um die Daunen zu schonen.

 

Von den in dieser Übersicht vertretenen Herstellern versichern einige, dass ihre Daunen mittels Totrupf gewonnen wurden. Aber da 90% der in der europäischen Industrie verwendeten Daunen aus Totrupf stammen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Gänse und Enten nicht lebend für unsere Jacken Federn lassen mussten.

Nach dem Rupfen werden die Federn und Daunen gewaschen, getrocknet, entstaubt und schließlich nach Daunen und Federn sortiert. Beim letzten Bearbeitungsgang, dem Mischen, wird sichergestellt, dass Daunen und Federn in einem bestimmten Verhältnis zueinander ver- mengt sind. Bei fast allen der hier vorgestellten Jacken beträgt dieses Mischungsverhältnis 90/10, das heißt, 90% Daunen und 10% Federn. Fjällräven gibt 95/5 an und Norröna hat einen Daunenanteil von 93% bis 96%. Ganz vermeiden lassen sich die Federn, die nichts zur Bausehkraft beitragen, aber nicht.

IMPRÄGNIERUNG

Powderhorn schließt hier noch einen Bearbeitungsschritt an: Bei den Jacken Powdersmoke und Gunpowder wird die Füllung per DWR-Verfahren (durable water repellent-Imprägnierung) Wasser abweisend gemacht. Der Vorteil dieser Behandlung ist, dass die Daune nicht verklumpt, wenn sie nass wird, dass sie daher auch dann noch isolieren kann, und dass die ganze Jacke deutlich schneller trocknet. Doch dieser Vorteil wird durch einen klaren Nachteil erkauft: Eine Daune, die keine Feuchtigkeit aufnehmen kann, kann diese auch nicht transportieren. Daher verzichten andere Hersteller bewusst auf eine Imprägnierung der Daune. Eine gewisse Feuchtigkeitsaufnahme kann man Daunen durchaus zumuten; dadurch entsteht ein angenehmeres Klima in der Jacke. Und wenn die Jacke nach Gebrauch gutgelüftet wird, schadet ihr diese Feuchtigkeit nicht. Imprägnierte Daunen kommen Kunstfasern schon recht nahe – mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen.

KONSTRUKTION

Eine Daunenjacke muss in mehrere Kammern unterteilt werden, um zu verhindern, dass sich die Daunen – von der Schwerkraft angezogen  – aus dem oberen Teil der Jacke verabschieden und im unteren Teil ansammeln. Je mehr Unterteilungen eine Jacke hat, umso besser sorgen diese für gleichmäßige Verteilung der Daune. Jedoch sind durchgesteppte Nähte eine Kältebrücke: Hier trifft Außenmaterial auf Innenmaterial, ohne dass eine Isolierung dazwischen liegt, und von diesen Zonen will man nicht zu viele haben. Ein Kompromiss sind also Kammern, die so groß wie möglich und so klein wie nötig sind. Dünnere Jacken können und müssen sich dabei mehr Kammern leisten als dicke. So sind beispielsweise die Jacken von Berghaus, Fjällräven, Vaude und Norröna sehr schmal unterteilt, während die Jacken von Carinthia, Millet, Haglöfs und die Herrenjacke voll Powderhorn deutlich breitere Kammern haben.

Die Kältebrücken müssen aber nicht einfach hingenommen werden. Es gibt Konstruktionen, die diese Schwachstellen verhindern: Zwischen Außen- und Innenstoff wird ein Stoffsteg eingenäht, der einige Millimeter oder gar Zentimeter breit ist. Diese Stege der so genannten H-Kammern-Konstruktion geben dann die Tiefe der dünnsten Stellen der Jacke vor. Zu finden ist diese Konstruktion bei den Jacken von Carinthia, Haglöfs und Northland.

AUSSENMATERIAL

Beim Außenmaterial setzten alle Hersteller auf Polyamid und sind bemüht, dieses ultraleicht, ultradicht, ultrafest und ultrawasserabweisend zu machen. Ob es sich dabei um Pertex Quantum, Pertex Microlight, DWR Shell, Nylon 20D oder Toray Airtastic handelt, spielt nur für Extremisten eine Rolle, die um jedes Gramm Gewichtsreduktion kämpfen. Generell wichtig ist aber die Wasser abweisende Imprägnierung, auf die man beim Kauf achten sollte. Schmelzender Schnee, Tau und Kondenswasser im Zelt sollten keine Chance haben, in die Jacke einzudringen.

Bergaas geht bei der Myre Down einen interessanten Sonderweg: Diese Daunenjacke hat an  den Seiten und an den Innenarmen Softshell-Einsätze, die Daunen-Hülle wird also von einem viel dünneren Material unterbrochen. Dies macht die Myre Down zu einer Jacke, die man bei entsprechenden Temperaturen auch im Aufstieg tragen kann: Brust, Hals, Kopf und Rücken sind isoliert, während die Wärme durch die Softshell-Einsätze leichter entweichen kann.

SCHNITT

Neben der Qualität der Daune, der Füllmenge und der Jackenkonstruktion spielt auch der Schnitt eine Rolle in Sachen Isolation: Eine gut anliegende Jacke verhindert größere Hohlräume zwischen sich und dem menschlichen Körper, so dass der Körper nicht unnötig Energie aufbringen muss, um in diesen Hohlräumen die Närme zu erhalten. Lang darf eine Daunenjacke also ruhig geschnitten ein, aber nicht zu weit. Unschlagbar .n dieser Hinsicht ist die Platinum Down Jacket von Northland mit ihren elastischen Nähten; sie passt sich jeder Körperform an.

ABSCHLÜSSE

Und schließlich leistet die Verschließbarkeit aller Öffnungen ihren Beitrag zur Isolation. Denn der Körper kann seine unmittelbare Umgebung nicht erwärmen und warm halten, wenn zwischen Ärmeln, Kragen und dem unteren Ende der Jacke ständig ein reger Luftaustausch herrscht. Eine Hüftkordel für die Regulierung des unteren Abschlusses haben alle hier vorgestellten Jacken, bis auf die von Norröna, die mit einem fixen Gummizug arbeiten. Die bschlüsse der Ärmel sind bei der Jake von Northland und dem Herrenmodell von Millet vorbildlich: eine Kombiation von Gummibündchen und lettbändern. Aber auch die Handgamschen der Powderhorn-Jacken schließen sehr gut ab. Und die reinen Gummibündchen, die bei den meisten Jacken zu finden sind, sind völlig in Ordnung, denn in Kombination mit Handschuhen sind sie alle gut verschließbar.

Einzig bezüglich der Kragenabschlüsse müssen einige Jacken mit der Note „mangelhaft” bewertet werden: Bei den Jacken von Berghaus, Fjällräven, Norröna, Powderhorn und Vaude muss man mit einem Schal arbeiten, wenn man die Krägen dicht bekommen will. Auch die Krägen von Mammut, Salomon, und The North Face sind nicht trimmbar, jedoch liegen sie so gut an, dass das Manko tolerabel ist.

Der Kragen von Carinthia wird vom fixen Gummizug der Kapuze geschlossen, was bewirkt, dass er – zumindest bei uns Testern – auf den Kehlkopf drückt; dies ist besonders schade, denn abgesehen davon ist die Downer Light eine tolle Jacke. Sehr gut trimmbare Krägen ha- ben hingegen die Jacken von Northland, Bergaas, Haglöfs und Millet.

KAPUZE

Ob eine Daunenjacke eine Kapuze braucht, ist Geschmackssache. Bei den dickeren Jacken ist es sicher sinnvoll, denn die kommen nur bei richtiger Kälte zum Einsatz. Die mittleren bis dünneren Jacken, die man so um den Gefrierpunkt herum trägt, können durchaus darauf verzichten; hier tut es eine Mütze allein meist auch.

Wenn aber eine Kapuze vorhanden ist, freut es den Träger, wenn er sie nach Belieben regulieren kann. Sehr gut gefallen haben uns die Kapuzen von Haglöfs, Millet und Bergars, die dreidimensional verstellbar sind. Aber auch nicht-trimmbare Kapuzen können gut anliegen, wie man bei Mammut sieht.

REISSVERSCHLÜSSE

Reißverschlüsse können eine Schwachstelle darstellen, wenn sie selbst nicht winddicht sind und gleichzeitig keine ausreichend isolierte Abdeckung im Inneren haben. Optimal in dieser Hinsicht sind Wässer abweisende Reißverschlüsse mit einer breiten und gefütterten Abdeckleiste, wie sie bei Carinthia zu finden ist. Zwei-Wege-Reißverschlüsse, wie bei Fjällräven und Mammut, haben den Vorteil, dass man die Jacke – zum Beispiel für einen Klettergurt – auch von unten beliebig weit öffnen kann. Und Powderhorn stattet seine Jacken mit Achsel-Reißverschlüssen aus, was eine Lüftung bei geschlossener Front ermöglicht.

PACKMASS

Bis auf die Jacken von Powderhorn sind für alle Jacken Stauräume vorgehen: entweder in einem mitgeliefern Packsack oder in einer ihrer Taschen. Dabei werden die aufgebauschten Jacken ganz schön klein zusammengepresst und verschwinden problemlos im Rucksack. Das Stopfen allerdings kann eine Heusforderung sein, und bei den Verstau-Taschen sollte man sich schon im Geschäft ansehen, ob der Reißverschluss der Tasche dann noch verschließbar ist. Eine gute Verstaubarkeit jedenfalls acht es möglich, die Jacke auf Tour -mer dabeizuhaben, ohne groß darüber nachzudenken, ob man sie zu all den anderen Teilen auch noch in den Rucksack stecken soll. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsaspekt.

PREISVERLEIHUNG

Die Belay (Q) Down Hoody von  Haglöfs  ist für unsere milden Winter schon relativ dick, doch wenn man zum verfrorenen Typ gehört oder wenn man Winter-Biwaks liebt, dann ist sie genau richtig. Sie bekommt von uns, den Preistipp, denn sie erfüllt alle Qualitätskriterien und ist zu einem vergleichsweise sehr günstigen Preis zu haben.

In die engere Wahl für den Top Tipp sind Bergaas, Mammut und Northland gekommen. Die Myre Down Jacket von Bergans ist mit ihren Softshell-Einsätzen jedoch etwas speziell, und bei der Broad Peak Hoody bzw. Miva Hooded Jacket von Mammut fehlt die Trimmbarkeit von Kragen und Kapuze. Daher bekommt die Platinum Down Jacket von Northland die Auszeichnung dafür, dass sie alle Qualitätskriterien mit Bravour erfüllt und zudem mit ihren elastischen Nähten das beste GewichtsIsolations-Verhältnis bietet.

 

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