Acht Langarmshirts aus Merinowolle im Test

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Lange Zeit bestand Sportunterwäsche ausschließlich aus Synthetikmaterial. Heute fertigen immer mehr Hersteller ihre Funktionsshirts aus Wolle oder Wollmischgewebe. Doch wie schlägt sich das Material im Outdoor-Einsatz?

Die zotteligen Typen haben es schon immer gewusst:

In Latzhose und Norwegerpulli schwärmten sie von Ökostrom, Biorüben und einem natur­nahen Leben. Heute folgt ihnen nahezu das ganze Land: Windräder sind hip, Bio gibt’s bei Aldi, und der Urlaub wird artig wandernd im Schwarzwald verbracht. Zurück zur Natur heißt die Devise – auch bei den Herstellern von Outdoor-Equipment. Sie überbieten  sich mittlerweile gegenseitig mit Ökoprüfsiegeln, Emissionseinsparungen und Recycling-Projekten; Naturmaterialien haben Hochkonjunktur. Vor allem dort, wo das Produkt direkt auf der Haut liegt, finden sie häufig Verwendung wie etwa bei Funktionsunterwäsche.

Lange Zeit bestand funktionelle Sportunter­wäsche   aus Polyester, Elasthan und Poly­amid. Heute kommt hingegen vermehrt Merinowolle mit ins Hemd, bei manchen Modellen sogar zu 100 Prozent. Kein Wun­der, schließlich besitzt Wolle viele positive Eigenschaften: Sie wärmt, und das auch in leicht feuchtem Zustand, neutralisiert müffelnde Schweißbakterien und wirkt zudem klimaregulierend. Doch reicht das aus, um im harten Outdoor-Alltag zu bestehen?

 Acht Langarmhemden, darunter fünf Mo­delle aus Wollmischgewebe und  drei  aus rei­ner Wolle, sind angetreten genau das zu beweisen. Sechs Wochen lang ging die outdoor-Testcrew mit ihnen zum Wandern, Trekken, Klettern  und Trailrunning. Im Fo­kus:
Tragekomfort  und Feuchtigkeitsma­nagement. Doch was heißt das eigentlich?

Galt früher noch: »Hauptsache rasch wie­der trocken«, weiß man heute: Schweiß schnell nach außen zu leiten ist nicht immer hilfreich. Schließlich schwitzt der Körper nicht grundlos. Er schwitzt, weil er die durch Muskelar­beit produzierte Wärme abführen will. Wird Schweiß von der Wäsche zu schnell abgeleitet, muss der Körper die Poren weiter öffnen, um die Kühlung aufrechtzuerhalten. Das be­lastet und verbraucht unnötig Flüssigkeit.

 Gute Funktionswäsche hingegen muss den Schweißfilm eine Weile auf der Haut lassen, damit er dort verdunstet und dadurch kühlt. Das Problem dabei: bei: Der Körper schwitzt nicht an jeder Stelle gleich stark. Während unter den Armen und auf der Brust Schweißströme her­abrinnen, bleiben Nieren und Schultern eher trocken. Hersteller wie Ortovox oder Vaude verpassen. ihren Hemden deshalb unterschied­lich starke Lagen – je nach Körperzone (»Bodymapping«) Bei ihnen erhöht auch die Bei­mischung von Synthetik den Kühleffekt – den man hingegen bei reinen Wollshirts vermisst.

Die Kühlung ist nicht alles.Lässt nämlich die Muskelarbeit nach, etwa beim Erreichen des Gipfels oder Pausenplatzes, muss die Wäsche den Schweiß schnell ableiten und den Körper warm halten. Das kann nur bei di­rektem Hautkontakt funktionieren. Eher lenger geschnittene Shirts – im Test vor allem von Patagonia und Smartwool – tragen sich zwar bei gemütlichen Wanderungen im Alltag superbequem. Doch auf amitionierten Touren, wo der Schweiß in Strömen fließt, hört der Spaß auf: Liegt die Wäsche nicht an, kann das Shirt seine feuchtigkeitsableitende Wirkung richtig entfalten.

Deutlich besser gelingt das mit den haut­nah sitzenden Modellen von Apani, Craft, Ortovox und Vaude. Vor allem Craft Lind. Ortovox überzeugen mit guter Schweiß­absorption und kurzen Trockenzeiten, was allerdings auch am Synthetikanteil liegt. Und wie sieht´s beim Hautgefühl aus? Kribbeln oder Kratzen viele Wollshirts nicht häufig? Hier gibt der Test Entwarnung. Selbst die sensibelsten Tester konnten spätestens nach der ersten Wäsche kein Kribbeln mehr feststel­len. Am wohlsten fühlten sie sich in den Modellen von Icebreaker, Patagonia, Smartwool und Woolpower. Sie schmeicheln mit flauschigem Griff und hoher Elastizität, besitzen keine störenden Nähte und sind perfekt ge­schnitten. Als etwas künstlich wurde hinge­gen das Craft-Material beurteilt. Auch die eher hohen und engen Kragen bei Apani und Vau­de ernteten nicht nur (aber auch) Lob.

Unterm Strich zeigt der Test:

Sämtliche Shirts im Test eignen sich gut bis sehr gut für den Outdoor-Einsatz. Für welches man sich entscheidet, hängt von Einsatz und Vorlieben ab: Wer auf Tour kaum schwitzt oder bei klir­rendem Frost loszieht, für den eignen sich warme Modelle mit hohem Wollanteil am bes­ten. Ideal: das Woolpower.

Es ist mollig-warm, schmeichelt mit flauschigem Griff und sitzt weder zu eng noch zu weit. Wer hingegen ein Hemd für schweißtreibende Unternehmungen oder für den Sport sucht, fährt mit Ortovox Merino Competition und Vaude Seamless Longsleeve am besten. Beide sitzen wie eine zweite Haut, tragen sich aber dennoch kom­fortabel und halten dasKörperklima lange im grünen Bereich. So etwas hätte bestimmt auch den Leuten mit den Latzhosen gefallen.

 

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