12 Leichtzelte im Test

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Mehrtägige Trekkingtouren sind das Nonplusultra jedes ambitionierten Wanderers. Das zeigt auch die letzte outdoor-Leserumfrage. Zwei Drittel zieht es regelmäßig mit Zelt, Kocher und Rucksack vor die Haustür. Ob ins heimische Mittelgebirge oder ins windzerzauste Lappland — Hauptsa­che draußen, Hauptsache Natur. Am besten eine ursprüngliche, erhabene und wilde. Denn nirgendwo sonst vergisst man so leicht den Alltag, entschleunigt und findet zur Ruhe. Mit schmerzendschwerem Gepäck gelingt das jedoch kaum.

Leicht muss es sein, vor allem das Zelt — auch das zeigt die outdoor-Leserumfrage: Ein geringes Gewicht zählt zusammen mit einer raschen Aufbau­prozedur zu den wichtigsten Entscheidungs­kriterien beim Zeltkauf. Ein solider Wetter­schutz liegt bei den Auswahlkriterien ebenfalls weit vorne. Kein Wunder, schließ­lich will man sich in der Natur erholen und bei einem Unwetter gut geschützt wissen. Tropft es hingegen durchs Außenzelt, sickert Wasser in die Bodenwanne oder fällt das Zelt bei der ersten Windbö um, reißt das ein großes Loch in die Behaglichkeit.

Doch so richtig wohl fühlt man sich im Zelt erst dann, wenn es auch genügend Platz offeriert zum Wohnen, Schlafen und Gepäck verstauen. Das Problem: Solche Zweiperso­nenzelte wiegen oft vier Kilo und mehr — und sind damit nicht gerade leicht. Es gibt aber auch Modelle, die nur grob die Hälfte davon wiegen. Wie das geht? Durch den Einsatz von feineren Zeltstoffen, Sturmleinen aus teurem, dafür aber sehr leichtem Dyneema und dünneren Gestängebögen, die dafür aus besonders zäher Alulegierung bestehen.

Zwölf solche hochgezüchteten Leichtzelte hat outdoor für den Test ausgewählt.

Sie alle sind ausgelegt für Trekkingtouren aller Art und sollen zwei Personen Raum bieten. Das leichteste Testmo­dell wiegt 1,9 Kilogramm, das schwerste rund 2,5 Kilo, preislich liegen sie zwischen 269 und 650 Euro. Eine weite Spanne. Sie zeigt, dass selbst günstige Zelte leicht sein können. Aber können sie dann auch noch gut sein?

Vier Wochen lang hat die Testcrew die Zelte auf etlichen Touren bei Schmuddelwetter und Sonnenschein untersucht. Zusätzlich hat sie die Wasserdichtigkeit mittels Soutertester ge­prüft, das genaue Gewicht mit einer geeichten  Digitalwaage genommen und die Maße durch ein Laser-Distanzgerät festgehalten (s. Kasten unten). Weil Zelte heute aufgrund verbesserter Beschichtungen und Nahtabklebungen kaum noch Probleme mit der Nässeabwehr haben, sehr wohl aber mit der Windstabilität, prüft die Testcrew dieses Kriterium traditionell be­sonders gründlich. Mit einer Windmaschine, die bis zu 160 km/h leistet, wurde jedes Test­zelt angestürmt. 160 Sachen hält natürlich kein Modell aus, muss es auch gar nicht. 70 km/h reichen für ein gutes Ergebnis, für ein sehr gutes sollten es 100 km/h sein. Das entspricht Sturmstärke, kommt aber selbst in Deutsch­land vor, in nordischen Wanderparadiesen wie Schweden oder Schottland sogar häufiger.

Nach Auswertung der Tests zeigt sich ein zufrie­denstellendes Bild: Alle zwölf Zelte schützen vor Wind und Wolkenbruch und eignen sich klas­se für Nächte in freier Natur. Für welches man sich entscheidet, hängt von persönlichen Vor­lieben und vom Tourencharakter ab. Wer et­wa hohe Ansprüche an den Wohnkomfort stellt, dem bleiben aus dem Test nur zwei Mo­delle zur Auswahl: das Exped Venus 2 UL (540 €) und das MSR Hoop (400 €). Beide bie­ten zwei große Eingänge mitsamt Vorraum, dazu Platz im Überfluss. Sie sind innen hoch und hell – das schützt vor Trübsinn bei Regen­wetter – und lassen sich einfach aufbauen, vor allem das Exped. Auch Regen und Bodennäs­se halten sie ab, im Starkwind kann’s aller­dings abenteuerlich werden: Das MSR geht vor der Windmaschine bei über 70 Sachen zu Bo­den. Das Exped hält deutlich mehr aus, doch fegt hier der Wind unter dem Außenzelt hin­durch, wird von den luftigen Innenzelteingän­gen nicht gebremst und zieht deshalb direkt durch die Wohnstube. Bei Kälte ist das ziem­lich unangenehm, in schwülwarmen Nächten hingegen herrlich erfrischend!

Auf top Wetterschutz können Sie nicht verzichten, auf ein bisschen Komfort hingegen schon? Dann ist der Testsieger dieses Vergleichs ide­al: das Hilleberg Nallo 2. Kein Zelt stand vor der Windmaschine besser: Erst bei rund 120 km/h geht es in die Knie – auch von der Breit­seite angeblasen. Dazu ist es exzellent unter Einsatz hochwertigster Materialien verarbei­tet, bietet einen robusten, extrem wasserfesten Boden (im Test weit über 10000 mm Wasser­säule) und ein dichtes Überzelt. Mit 650 Euro lohnt es sich jedoch eher für Intensivnutzer – oder für jene, die einfach das Beste wollen.

Deutlich günstiger, dafür aber nicht ganz so fein verarbeitet, nicht ganz so sturmstabil und nur ein paar Gramm schwerer sind die Zelte von Tatonka und Wechsel: das Kiruna 2 (420 €) und das White Nites Zero-G (370 €). Sie wollen es noch günstiger? Auch das geht, nur müssen Sie dann ein wenig zu­sammenrücken, denn ein Raumwunder ist das Rejka Antao II light nicht. Dafür aber ein solides, extrem einfach und rasch zu erricht­endes Wetterschutzzelt. Wegen seiner klei­nen Stellfläche eignet es sich besonders für Bergwanderer, denn in den Alpen sind ebene Plätze rar. Fast eine Sensation ist sein Preis: 269 Euro. Leichtausrüstung ist also nicht im­mer eine Frage des Geldes.

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