10 Rucksäcke im Test

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Äste brechen, Steine donnern polternd ins Tal. »Nein«, schreit outdoor-Prakti­kantin Katharina Bausch. Dem Rest der Testcrew gefriert das Blut in den Adern. Sie haben Katharina hinter einem Felsen aus den Augen verloren und rätseln, ob sie auf dem schmierigen Trampelpfad ausgerutscht ist und jetzt den steilen Hang hinunterstürzt. Selbst Bruchteile von Sekunden dauern ewig.

»Mir ist nichts passiert«, beruhigt sie die ihr entgegenstürmende Gruppe — im Gegen­satz zu ihrem Rucksack: Nachdem Katharina ihn auf dem Boden abgestellt hatte, um eine Kleinigkeit zu essen, ist er umgekippt und gut hundert Meter den dicht bewachsenen Hang hinuntergerollt. Schnell wird er gebor­gen und die Tour fortgesetzt, denn in den nächsten Tagen steht ein strammes Pro­gramm auf der Agenda:

outdoor testet die zehn spannendsten Ruck­sackneuheiten des Jahres — vom Daypack über Modelle für Wochenendtouren bis hin zu Schwertransportern mit 90 Liter Volumen. Das reicht sogar für lange Wildnistreks, zum Beispiel in Skandinavien, Patagonien oder Tasmanien. Eine Vorauswahl trafen die outdoor-Redakteure schon im letzten Sommer: Auf der OutDoor-Messe in Friedrichshafen wurden die vielversprechendsten 2011er Modelle für den Test vorgemerkt, beispiels­weise der neue Tourenrucksack vom Markt­führer Deuter. Oder die Nachfolger von Modellen, die in früheren Tests einen outdoor­Kauftipp erhielten, wie etwa der Specialist von Bach oder der Tatonka Bison 75 Exp.

Für den Anmarsch zum Testcamp über die Hochfläche der Schwäbischen Alb kommen gleich die vier Trekkingrucksäcke zum Einsatz. Das Team stopft sie bis zum Anschlag voll mit Campingausrüstung und Verpflegung – eine echte Herausforderung für die Tragesys­teme. Doch die vier Lastesel meistern sie mit Bravour: Auch mit über 20 Kilo Beladung hängt die Last nicht an den Schultern, son­dern wird über versteifte, gut gepolsterte Hüftgurte größtenteils auf das Becken über­tragen. Die Modelle von Tatonka und Lund-hags gehen sogar mit 30 Kilo und mehr nicht in die Knie – ideal für mehrwöchige Touren.

 

Gut, dass der Weg über lange Strecken relativ eben verläuft Stellanstiege mit schwerem Gepäck machen auch mit einem sehr komfortablen Rucksack wenig Spaß, das zeigt sich beispiels­weise auf den letzten Metern hoch zum Schaufels: Die Tester schnaufen unter ihrer Last wie Dampflokomotiven. Doch outdoor-Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka kennt keine Gnade: »Achtet darauf, wie viel Bewe­gungsfreiheit der Hüftgurt lässt.« Klarer Sieger in diesem Punkt: der Bach Specialist. Sein beweglich gelagerter, im vorderen Bereich schön schmaler Gurt engt kaum ein.

Der Tatonka Bison hingegen fühlt sich im Hüftbereich recht steif an — was aber nur Leute bemängeln, die den Hüftgurt eher tief tragen. Dafür glänzt der Bison mit perfekter Lastkontrolle, wie sich bei einer steilen Hang­querung zeigt. »Sitzt wie festgeklebt«, lobt Tester Johannes Butscher. Auch die Konkur­renz schlägt sich wacker, rutscht allerdings ein wenig mehr auf dem Rücken herum.

Erschöpft, aber zufrieden kommt die Test­crew am Abend an den Lagerplatz, schließ­lich bieten die vier Trekkingrucksäcke unterm Strich eine sehr überzeugende Performance — vorausgesetzt, der Rucksack passt optimal. Gnielka etwa drücken die sehr breiten Hüft­polster beim The North Face etwas, während sich der Tatonka-Hüftgurt beim spindeldür­ren Felix Wiedmann nicht ganz schließen lässt, weil die Polster vorne zusammensto­ßen. Außerdem bringen drei Modelle (Aus­nahme: The North Face) nur dann die volle Leistung, wenn die in die Rückenplatte inte­grierte Alustrebe an den Rücken angepasst wird. Die Testcrew nimmt sich dafür bei jedem Wechsel genug Zeit.

Die gute Laune am nächsten Morgen liegt nicht nur am schönen Wetter: Heute geht die Mannschaft mit den sechs kleineren Rucksä­cken auf Testtour. Je nach Volumen fällt die Beladung unterschiedlich aus. Die größten Modelle werden mit 15 Kilo bepackt. So viel kommt auf einer Wochenendtour zusammen, oder wenn man Seil, Karabiner, Gurt, Klet­terhelm und Schuhe in den Rucksack stopft. Der kleinste im Bunde, der Vaude Brenta, wiegt dagegen unter zehn Kilo – mehr schleppt man in einem Tagesrucksack nicht. Die Route führt hinab zum Traumfels – ein beliebter Kletterspot in der Region. Plötzlich steht die Testcrew vor einer senkrechten, mehrere Meter hohen Felswand. »Hier geht’s lang«, grinst Gnielka und deutet auf einige, etwas rostige Metallsprossen.

Sie helfen beim Bezwingen der Wand, durch die großzügigen Abstände müssen sich die Tester aber mächtig strecken – ideales Ter­rain, um Sitz und Bewegungsfreiheit zu über­prüfen. Hier sind die Rucksäcke von Gregory und Jack Wolfskin in ihrem Element, dicht gefolgt von den Testkandidaten von Osprey und Vaude. Die Mammut-Damen- und -Her­renmodelle sitzen ebenfalls bombenfest, sind aber recht steif. Dadurch engen sie etwas ein. Beim Deuter Futura Vario wiederum befindet sich das Gewicht durch den stark konkav ge­wölbten Rücken weit weg vom Körper, was die Lastkontrolle verschlechtert. Auf Bergwander­wegen kommt man aber dennoch mit ihm klar.

Beim anschließenden Aufstieg in der pral­len Sonne zurück auf die Albhochfläche punktet er dann aber mit einer sehr guten Belüftung – wie drei weitere Modelle. »Kein Wunder«, sagt Tester Felix Wiedmann, »alle besitzen einen Netzrücken.« Bei dieser Kon­struktion wird ein luftiges Netz mit Hilfe eines gebogenen Metallrahmens straff gespannt, so dass die Luft dahinter ungehin­dert zirkuliert. Und der Tragekomfort? Auch in diesem Punkt schneidet die Sechsergruppe gut ab. Nur die beiden Mammut-Modelle ernten leichte Kritik, weil die untere Hüft­gurtnaht drücken kann. Das spürt man aber recht schnell, wenn man den Rucksack vor dem Kauf im Laden ausprobiert.

Beim Ausstattungs-Check fallen vor allem zwei Modelle auf. Der Jack Wolfskin Moun­taineer bietet spezielle Staumöglichkeiten für Eisgeräte, Kletterhelm, Steigeisen und Ski – der richtige Begleiter für Bergsteiger und Ski­tourengeher. Beim Farpoint von Osprey wie­derum lässt sich das Tragesystem abdecken, und er besitzt einen abnehmbaren Tagesruck­sack. Beides ist auf Reisen sehr praktisch. Die anderen vier Rucksäcke haben alles, was Wanderer brauchen, etwa Kompressionsrie­men und eine Deckeltasche (s. Kasten links).

Fazit: Der 2011er Rucksackjahrgang hat viel zu bie­ten. Die vier Trekkingrucksäcke sind rundum emp­fehlenswert, wobei sich die beiden Schwerlast-modelle (Lundhags, Tatonka) vor allem für Treks von über einer Woche eignen. Globe­trotter probieren den Osprey Farpoint. Wer einen vielseitigen Tages- und Tourenrucksack sucht, greift am besten zu den Modellen von Gregory. Für Tageswanderer ist der günstige Vaude Brenta eine gute Wahl.

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