Das sind also weder die ganz leichten Jacken, die vor allem als Notjacke im Rucksack schlummern. Aber auch nicht die superfesten und robusten Bergmonster mit 17 Taschen und schusssicherer Kapuze. Die von uns vorgegebene Gewichtsklasse ist leicht und klein genug, um sie, wenn es das Wetter zulässt, eine Woche im Rucksack spazierenzutra­gen. Aber robust genug, um sie tagelang bei widrigen Bedin­gungen ständig anzuhaben und dabei auch noch einen schweren Rucksack zu tragen.

SCHLECHTE JACKEN gibt es heute kaum mehr. Aber worin unterscheiden sich die Jacken überhaupt noch? Sind sie nicht alle ausgereift und funktionell? Alle von uns getesteten Jacken waren mehr oder weniger aus­geprägt bergtauglich. Und ob dann die Funktion eher im Vor­dergrund steht (wie z.B. bei Haglöfs) oder neben der nack­ten Funktion auch eine mög­lichst citytaugliche Optik ein wichtiges Kriterium ist (wie bei Wolfskin), ist schlussendlich Geschmackssache.

Die Jacken unterscheiden sich vor allem im Preis. Von 169,95 Euro für eine Wolfskin bis zu 500 Euro für North Face oder Arc’teryx reicht die Spanne. Ein Laie wird bei den Jacken im direkten Vergleich kaum Unterschiede wahrnehmen. Dazu ist schon ein Blick hinter die Kulissen notwendig. Und der offenbart zu allererst einen Unterschied im Material. Alle preiswerten Jacken (unter ca. 300 Euro) setzen eigene Membranen (oder Beschich­tungen) ein. Dabei handelt es sich durchweg um zugekaufte Materialien, die nicht unter einem Markennamen geführt werden müssen wie Gore Tex. Die zugekauften Membranen dürfen unter dem Namen geführt werden, den sich der Konfektionär ausdenkt, bei­spielsweise Texapore (Wolfskin) oder H2No (Patagonia). Markenprodukte sind neben dem großen „G“ noch Dermizax (verarbeitet von Bergans) sowie eVent (Montane, Vaude). Alle Markenmembranen haben ihre spezifischen Stärken und Schwächen und sind ganz grob gesagt vergleichbar.

Eines der Hauptkriterien, über die seit Jahren heiß diskutiert wird, ist dabei die Atmungsakti­vität (ein reines Werbewort) bzw. der Wasserdampfdurch­gang. Wie viel Schweiß (oder besser: Wasserdampf) geht raus? Das ist die entscheidende Frage. Und jeder, der so eine Jacke mal unter widrigen Bedingungen angehabt hat, wird festgestellt haben, dass die (vereinfachte) Werbeaussa­ge „unter der Jacke schwitzt man nicht mehr“ so offensicht­lich nicht stimmt. Deshalb haben wir dem Punkt auch mal wieder ganz besondere Auf­merksamkeit geschenkt. Das letzte Mal waren wir mit unseren Testjacken in der EMPA in St. Gallen, um den RET-Wert im Labor zu ermitteln.

 

Diesmal wollten wir wieder einen praxislastigeren Test machen. Und wie so oft schwitzten die Tester unter den Jacken und zwar ganz unabhängig davon, welche Membran verarbeitet war.

Beim genauen Durchschauen und Analysieren dann auf ein­mal die Erleuchtung: Wir Ver­braucher werden von den Her­stellern mit Microtapes (extra schmalen Verklebstreifen auf der Innenseite von dreilagigen Jacken) werbewirksam bombar­diert. Durch die Microtapes soll deutlich mehr Fläche für die Verdunstung von Wasserdampf zur Verfügung stehen, weil an getapten Stellen ja nichts durchgeht. Klingt so weit gut. Aber auf der anderen Seite kleistern die Hersteller im Brustbereich die Jacken kom­plett zu — und zwar mit Taschen. Kaum eine Jacke, die im nahezu gesamten Bereich der Front nicht mit Taschen und damit mit doppeltem Mate­rial versehen ist. Und durch diese doppellagige Membran-schicht geht garantiert kein Wasserdampf mehr durch. Genau drei Hersteller bilden eine Ausnahme. Bergans, Hag­löfs und Patagonia. Die drei verwenden auf der Innenseite der Taschen Netzfutter. Das hat zwei Vorteile. Zum einen kann man die Tasche zur zusätz­lichen Ventilation offen lassen, zum anderen geht durch Netz­material natürlich viel leichter Wasserdampf als durch eine Membran.

DAS PROBLEM VERSCHÄRFT sich noch durch andere Krite­rien. Zum einen machen sich jetzt wirklich die vielen Tapes (Klebestreifen) bemerkbar, die in Jacken verwendet werden. Zum anderen trägt ein Wande­rer oder Bergsteiger fast immer einen Rucksack. Und egal, ob der einen Netzrücken hat oder anliegt: Wasserdampf geht da nicht mehr von innen nach außen. Auch da, wo die Jacke die Hose überdeckt, sind so viele Materialschichten überein‑

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