Reepschnüre und Schlingen – Anwendung und Vergleich

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Sie verlängern, verbin­den, sind als Sanduhr- oder Knoten­schlingen im Einsatz: Reepschnüre und Schlingen sind zentraler Be­standteil der Sicherungskette.

Ob als Expressschlingen beim Sportklettern, zum Standplatz-bau in Mehrseillängenrouten oder als Prusikschlinge beim Gletschergehen: Reepschnüre und Bandschlingen gehören zum täglichen Handwerkszeug beim Klettern. Schlingen kommen al­lerdings in vielfältiger Form und sind aus unterschiedlichen Mate­rialien gefertigt. Wir geben euch einen Überblick, worauf beim Umgang mit Schlingen und Schnüren zu achten ist und was die Hersteller an neuem Material in diesem Segment anbieten.

WORAUS SIE BESTEHEN

Im Bergsport werden Schlingen aus drei Ausgangsstoffen herge­stellt: Polyamid (PA, Nylon), Poly­ethylen (meist unter dem Mar­kennamen Dyneema) und Aramid (unter dem Markennamen Kevlar bekannt). Polyamid ist das gleiche Material, aus dem auch unsere Kletterseile bestehen. Es weist eine hohe Haltekraft auf und ist chemisch sehr beständig (der Kontakt mit Schwefelsäure verringert die Haltekraft aller­dings drastisch!). Aus PA werden sowohl Reepschnüre als auch Bandschlingen produziert.

Dyneema hat eine wesentlich höhere Bruchfestigkeit als Poly­amid und ist gleichzeitig leichter. Damit lassen sich aus Dyneema besonders schmale und leichte Bandschlingen herstellen. Aller­dings ist das Material extrem glatt, so dass nicht einmal Farbe auf ihm haftet — es kommt im­mer weiß in den Handel. Die bunten Ränder der Dyneema­schlingen sind aus Polyamid.

Weil Dyneema so glatt ist, kann es auch nicht sicher ver­knotet werden: Das Material rutscht je nach Knoten schon bei geringer Belastung durch. Daher ist es nur als vernähte Band­schlinge erhältlich. Lediglich Reepschnüre aus Dyneema gibt es auch als offene Meterware.

Aramid oder Kevlar hat eine hohe Bruchfestigkeit und ist vor allem sehr schnittfest und kan­tenstabil. Zudem sind Reep-schnüre aus Kevlar etwas steifer, aber noch gut knotbar. Nachtei­lig an Kevlar ist, dass es im UV-Licht schneller altert als PA oder Dyneema.

Das Gros aller auf dem Markt erhältlichen Schlingen und Schnüre besteht aber aus Polya­mid und Dyneema. PA-Band­schlingen sind etwas breiter und schwerer, aber auch vielseitiger, da knotbar. Dyneema-Schlingen sind dagegen extrem leicht und schmal — die schmalsten Schlin­gen weisen derzeit eine Breite von 6 Millimetern auf —, womit auch sehr lange Schlingen noch gut tragbar sind (und weniger Platz im Rucksack wegnehmen).

Knoten vermindern die Festigkeit einer Schlinge oder Reepschnur um 20 bis 60 Prozent

WAS SIE HALTEN MÜSSEN

Für die Festigkeit von Schlingen und Reepschnüren gibt es Norm­vorschriften. Generell gilt, dass alle vernähten Bandschlingen ei­ne Mindestfestigkeit von 22 kN aufweisen müssen. Bei Reep-schnüren und Bandschlingen aus Polyamid, die ja in verschiedenen Durchmesssern und Breiten als Meterware angeboten werden, muss die Mindestbruchfestigkeit nach einer einfachen Formel zu berechnen sein. Für Reepschnüre lautet diese Formel: Durchmessern x o,2 = x kN Min­destbruchfestigkeit (für eine 8-Millimeter-Reepschnur also 8 x 8 x 0,2 = 12,8 kN).

Bei Bandschlingen lautet sie: Breite x Dicke x o,3 = x kN Min­destbruchfestigkeit (ein Band mit den Maßen 19 x 3 mm also 19x3xo,3=0,3kN). Auf PA-Bandschlingen zeigen Kennfä­den die Mindestfestigkeit an, je­der Kennfaden steht für 5 kN.

Für Dyneema und Kevlar exis­tieren solche Formeln nicht.

DIE KNÖTCHENFRAGE

Als Meterware gekauftes Schlin­genmaterial muss irgendwie ge­knotet werden, um es verwen­den zu können. Aber auch in ver­nähte Bandschlingen macht man Knoten, zum Beispiel um sie am Standplatz abzulängen. Grundsätzlich reduzieren Knoten die Festigkeit einer Schlinge oder Reepschnur, je nach Knoten vermindert diese sich um 20 bis 6o Prozent. Wer offene Meterware zur Rundschlingen knotet, kann davon ausgehen, dass die Rundschlinge im Doppelstrang belastet (zwischen zwei Karabinern) etwa soviel hält wie für den Einzelstrang angegeben ist.

Dyneemaschlingen, die ja nur als vernähte Bandschlingen erhältlich sind, werden beim Standplatzbau häu­fig verknotet, um die perfekte Länge herzustellen. Dabei ist zu beachten, dass ein Mastwurf im Einzelstrang be­reits ab o,8 kN, also schon bei Belas­tung mit dem Körpergewicht, zu rut­schen beginnt. Nachteilig ist dabei der niedrige Schmelzpunkt von Dyneema, es kann schneller zur Schmelzverbren­nung kommen als bei PA. Daher die Dyneema-Schlingen immer im Dop­pelstrang knoten. Übrigens ist der Sackstich in Tropfenform der Knoten mit der höchsten Festigkeitsreduzie­rung. Bandschlingen aus Polyamid werden am besten mit einem Achter­knoten in Ringform zur Rundschlinge geknüpft, dann beträgt die Festigkeits­reduzierung nur 20 Prozent (siehe Foto oben).

Im übrigen sind alle Schlingen und Reepschnüre nur minimal dehnbar und nehmen keine Energie auf. Di­rekte Stürze in eine Schlinge, die zum Beispiel den Gurt direkt mit einem Bohrhaken verbindet, führen daher zu extremen Fangstößen, die das Mate­rial und den Körper an ihre Festig­keitsgrenzen bringen. Deshalb unbe­dingt vermeiden.

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